Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 62
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stchen. Es können auch, je nach dcr Komposition der Felderdrckr, Propheten dort ihre Stelle erhalten, die
in strengstem Stile der GlaSmosaik gehalten, mit Sprnchbänderu versehen, jene Parallelstellen des alten Bundcs
vor Angen fnhrcii, die als VoranSsagnngen der Erfüllnng im nencn angesehen werden. Zn den beiden Qner-
schiffen werden, dem gothischen Stile entsprechend, die Hauptmomente der Erlvsungsgeschichte im Anschlnsse
an die formvollendetsten Mnster vom Schlusse des 15. Zahrhnnderts auszufnhren sein. Jch nenne alS solche
Vorbilder die Wild'schen Fenster im Münster zn lllm, das Volckamer'sche in der Lorenzkirche zu Nürnbcrg.
Es wird eine gewisse Einheit in der Komposition dieser ganzen lehtgenannten Serie zu erstreben und, wo
möglich, anch dic AuSführnng in ciner nnd dcrselbcn Anstalt der gleichmäßigcn Haltung wegen zn cmpfehlen
sein. Die Schlnßwand des Chores ist leider mit Glasgemälden versehen, dic nicht glücklich zu nenneii sind.
Wenn anch nicht als erste Arbeit, wird doch deren Beseitignng im Laufe der Fertigstellung in Anösicht
genommcn werdcn müssen. Ein großcs einhcitlichcs Bild, die Herrlichkeit dcs Hcrrn darstcllend, wic cr einst
kommen wird znm Gerichte, wird die drei Fcnster einnehmen. Neben ChristuS wcrdcn die Chöre der Engel,
der Heiligen nnd Seligen nm die Apostcl grnppiert sichtbar werden. Anknüpfend an die große Reihe jener
mittelalterlichen Darstellungcn, welche bald eine» engcren, bald einen erweiterten Cyklus desselbcn Thcmas
geben, von den frühchristlichen Mosaiken in dcn Absiden dcr römischen Basiliken biS zn dem Genter Altar-
bilde, wird hier für einen bernfenen Künstler Gelegcnheit gegeben sein, eine Komposition von majestätischer
Einfachheit in glänzender Farbenharmonie zu schaffen, die, den ganzen Eindrnck der Kirche beherrschend,
zngleich alles verschiedenartige in derselben harmonisch verbinden kann.

Für die Kapellen des Langhanseö halte ich keinerlei Einheit für nöthig. Da mag im Gegcntheile
die Zndividinalität sich in der mannigfaltigsten Weise geltend machen. Abgesehen davon, daß sicher die Wand-
malereien in denselben, wie sie theilweise znm Vorschein gekommcn sind, theilweise noch zn Tage treten werden,
in stilistischer Beziehung wie rücksichtlich ihres KunstwcrtheS sehr verschieden sind nnd sein werden, ist jede
solche Kapelle eine Familienstiftnng nnd als solche zn individnellem Ansdrncke vollkvmmcn bercchtigt. Dnrch
die herrlichen Gitter abgeschlossen bildet jedc cine kleine Einheit für sich, welcher anch ihre eigenen Gesetze
belassen werden müssen. Hier mag anch jeder Stifter, sei es nun der direkte Nachkomme dcr crstcn Stiftcr,
sei cs ein Fremdcr, wclcher die Stiftniig wieder aiifnimmt, sich in seiner Weise bewegen, wenn er nnr alles
vorhandene Alte schont. Es werden natürlich, wie i» den Querschiffen, in allen Kapellen gothische Maßwerke
in die Fenster einzusetzen sein. Hier sind Rücksichten anf das Aenßere deS Münsters zn nehmeii. Bezüglich
der Glasmalereien fällt diese Fordernng weg nnd cs wird ebensowohl möglich sein, solchc im Stile der
Renaissance hier anszuführen, als gothische, wcnn sich die hiezubernfenen Künstler an die schönen Vorbilder

des 16. nnd 17. Zahrhnnderts halten. Es wird jedes Fenster von einem andern Künstler gezeichnet, in einer

andern Anstalt ausgeführt werden können, ohne daß die Einheit deö gesammten Bauwerkes darnnter leidcn würde.

6. WaS die Einrichtnngsgcgenständc »nd das Mobiliar betrifst, so zeigt der Münster viel schöncs
ans allen Perioden. Scine Geschichte spricht sich in den Grabmälern anS, welche theilweise am Fnßboden
liegen, theilweise an den Wäiiden nnd Pfeilern angebracht sind. Zch habc dcn Gcdaiiken anssprcchen hören,
daß einzelne derselben zn wenig mit der Architektnr in Harmonie wären und, weil einer Zeit schlechten
Geschmackes entsprechcnd, enifernt werdcn müßten. Zch kann diese Meinnng dnrchans nicht theilcn. Zch finde,
daß unter allen kein einziges ist, welchcs beseitigt wcrden müßte. Vielmehr werdcn gerade sie dazn beitragen,
daß eine gewisse Nüchtcrnheit dcr Erscheinung vermiedcn wird, die sich nur zn leicht ergibt, wo absolnte Ein-
heit angestrebt wird. Wo nm eines solchen Denkmales willen cine architektoiüsche Entwicklnng gestört ist, da
mag es ein wenig znr Seite geschoben werden, so daß diese Entwicklnng wieder hergestellt werden kann, aber
znr Beseitignng anch nnv cincs eiiizigen liegt kein Grund vor. Die Kanzel hat ebcnso cin volles Recht zn
bleiben. Die Säule, welche sie trägt, crscheint etwas nüchtern nnd eS mag eine Fignr an ihre Stelle treten,
wie ja anch ehemalS cine solche dort gestanden haben soll.

Bei der Orgel würde es in hohem Grade wünschenswerth sein, wenn jene Theilc, die einer Ver-

größernng wegcn später hinzngefügt sind, ans der Fronte beseitigt würden nnd die Fronte wieder ihre alten

Flügcl erhielte, so daß dieses reizcndc kleine Denkmal wieder in alter Gestalt dastündc. ES wird dies dnrch-
ans nicht schwcr zn crrcichen sein, indem ja im Znnern des Orgelranmes genügend Platz vorhandcn sein miiß
um die später hinzngefügten ans der Fronte weg in eine zweite Reihe zn stellen und dort mit einer neuen
Fronte abzuschließen, vor welcher, ganz getrennt, die alte im Bcginn des 16. Jahrhunderts errichtete Fronte
stehen kann. Die Ansarbeitung des Projektes wird darauf näher einziigehen haben. Znnächst mag diese
Andeutnng genügen.

(Schluß folgty

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