Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 2.1882

Seite: 15
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Gutachten von vr. 2l. Lssenwei^r^

Direktor des germanischen Museums zn Nürnberg
über

die Restauration und Ausstattung des Innern des Alünsters zu Lonstanz.

l879.

(Schluß).

Wie die Orqclfroiite i» der urspri'iiiglichcn Weise wieder herziistelleu, so werdcn auch die herrliche»
Chorstühlc voii ihrem Aiistriche zu befreien sein.

Was die Altäre betrifft, so sind jene der Seitenkapelleii der Hauptsache uach vollständig zu belasseu.
Wo eiue architektouische Entwickluug odcr eiu ehemaliger Durchbruch verdeckt wird, wo die vorziiuehmeude
Uiitersuchuiig zeigt, dast ciu iuteressauterer Rest durch eiuen Altaraufsatz verdeckt wird, wie sich dies ja bereitS
au eiuer Stelle ergeben hat, mag etwa eiu hoher Altaraufsatz mit einem uiedrigeru die Stelle wechselu oder
auderswohiu gebracht werdeu, wie i'iberhaupt kleiue Umstelluugeu im Eiuzelueu, weuu solche mit Liebe fi'ir die
Gcgciistäudc selbst geschehcu, wesentlich zur Abriiiiduug der kiiustlerischen Erscheiuuug beitrageu köuiieu. Zch
criuuere darau, wie mituiiter aus gauz iiiibedciitcndeu alteu Bruchstückcii durch cntsprecheiide Gruppieruug eiue
Küustlcrhaiid ciue recht harmouische künstlerisch wirksame Gruppe bildeu kaun, währeud uiitcr eiuer auderu
Hand dieselbeu Elemeute sich durchaus nicht zu eiuem befriedigeuden Bilde vereiuigeu wolleu. Jn diesem
Sinue scheiut mir allerdiugs da und dort eiue kleine Nachhilfe möglich uud uöthig. Sorgfältige Uutersuchuiig
ist jedeufallS uöthig uud wird uoch Manches findeu lassen, was jetzt versteckt ist, aber eiu wirksameS Motiv
iu sich schließt; es mögeu dauu bei solcher ueueu Gruppieruug, für welche freilich eiu Projekt sich uicht auf-
zcichuen läßt, die überhaupt erst zuletzt gcschehen kaun, uud die ebcu vou geschickter Haud arraugirt werdeu
miiß, uoch Materialeu aus deu DepotS deö Müusters hervorgeholt werdeu, wie jeuer herrliche Religuieiischreiu
mit Resteu eiucS Baldachiues aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, welcher mir gezeigt wurde uiid welcher
iu irgeud eiuer Kapcllc aiifgestellt eiue neue Zierde dcs Müusters bilden kann, wenn er vou kuudiger Hand
ergänzt wird. Es mögcii die neucn ganz werthloseu Bilder eiuiger Altäre durch künstlerisch werthvolle ersetzt
werden. Jm Allgemeiueu aber werdeu die Altaraufsätze größere Restauratioueii nicht uöthig haben; so weit
sie aber uöthig siud, werdeu sie sich lcicht bcwirkeu lasseu, vhue den Hauch des AlterS abzustreiseu. Noch
machc ich hier darauf aufmerksam, welch' küustlerisch wirksameS Motiv iu der Aufstelliiiig vou Kirchcufahue»,
ProzessioiiShimmelii, Kerzeustaugeu u. dgl. liegt, wie sie ja dort vorhaudcn sind uud iusbesoudere iu den
Seitenschiffeu aufgestellt werdeu köiinen.

7. Weuu das Mittelschiff wesentlich in dcr alteu romanischen Weise wieder hergestellt werdeu soll,
so bedarf cs eiueS cutsprccheudeu Abschlusses gegeu Ostcu. Die Herstclluug cines Lettners ist uuter heutigeu
Vcrhältiiisseu nicht möglich; eiu solcher würde auch bedcutungslos sein. Dagegen muß ein Triumphkreuz an
der Vierung anfgestellt werdeu. Das neue gothischc Altärcheu an der Vierung, für deu Gebrauch nöthig, ist
für die Wirkuug zu kleiu. Der Hochaltar, ganz in den Chorschluß zurückgeschobeu, verschwiudet vollständig
uud so fehlt für das Auge eiu Element, welches gcwissermaßeii die Bedeutung der gauzeu Kirche in sich
ziisammciifaßt. So mächtig iiuii auch dcr Balkcu wirken wird, welcher das Triumphkreuz und die »ebcu
demselbeu stehcndeu Figuren der trauerudcn Maria uud des Lieblingsjüugers Johamies trägt, so wird doch
die Aufstelluiig eiues angemesseueii Altares in der Vieruug nicht zu umgehen sein. Da er vor allem zum
Mittelschiffe in Beziehuug steht, sowohl idcal zur Gemeiude, welche dort dem an diesem Altare stattfindeiiden
Gottesdieustc beiwohut, wie als künstlerischer Abschluß der Perspektive des romanischeu Langhauses, so kami
ich mir dieseu Altar uicht auders deukeu, als durch eiiieu großeu Baldachin auf 4 Säulcu übcrdeckt, iu
romauischcm Stile gehalteu. Er wird die Stelle des alteu Hochaltars der romanischcu Periode wiedcr eiu-
uehmen und wohl auch im wesentlichen desseu Koustruktioii erhalteu. Man hat ja uiiläiigst die uuter dcm
ehemaligeu Hochaltare befindliche Conkessio vou der Krypta aus wieder geösfnet und uoch den alten Steinsarg
gefilndcn, iu welchem die Reliquieu beigesetzt waren uud worüber sich dic Mensa des Altars iu vollständiger
Tischgestalt, als Platte auf Säulcheu ruhcud, erhob, wic sic wieder hergestellt werdeu müßte, so daß man
von obeu zwischeu diesen Säulcheu hinab den stciuerneu Reliquienschrein sehen würde.

8. Mit diesem Altarbaue müßte aber die Herstellung der alteu Krypteuzugäuge verbunden werdeu.
Noch siud ja beidcrseits die Gänge vorhauden und es inüßteu nur die Zugaugstreppeu wieder hergestellt
werdeu. Voraussichtlich würde dieser Altar der eigcntliche Hochaltar werden, der hiuter dcmselbeu stehende
jetzige, desseu pietälvolle Belassuug an seiuer Stelle wohl möglich wäre, uur die Bedeutung eiues Nebenaltares
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