Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 2.1882

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crhaltc». Doch muß ich darauf aufmcrksam uiachc», daß vicllcicht i» dicscm Fallc sich da§ Hochauit, durch
dic Chorstuhle bceugt, »icht i» dcr »bliche» Weisc mit Assisten; ciitwickel» köniitc. Da dic Chorstühlc wcder
beseitigt, noch weggestcllt werdc» kö»»e», so miißte allerdiugs die Frage vvrher crörtcrt wcrde», ob »icht dcr
GotteSdicust am Hochaltarc so eingcrichtct wcrdc» könute, daß der Pricstcr dcm Volke zngcwciidct cclcbrirt.
Mit Rücksicht daraust daß ja die Kirche eine bischöfliche i» ihrcr Anlage ist, dürfte die Erlangniig der Ge-
nchmiguiig keiiiem Anstaiide ttiitcrliege». Wenn alsdan» ctwa cine der bischöfliche» ähnliche Ontlieclr» a» dcr
Schliißwand zu errichtcn wärc, würde »atürlich dcr jetzigc Hochaltar cntfcrnt werde» müssc». Am Cingangc
dcr Vierung aber würde alS Kommuiiioiibank cin nicdcres Gitter aus geschnncdetem Eise» aufzustelle» sci»;
cbc» solchc Gittcr würde» »m die ncncn Krvptcneingänge aufgestcllt werde», so daß »iiscre hentigc» Meistcr
zeigc» könnten, daß sic an tcchnischcr Fcrtigkcit jciic» »icht »achstche», welche die schöncn altc» Schmiedc-
arbeiten deS Münsters gefertigt habe».

Die mächtige» Barokaltäre deS Qnerschiffes können, wie ich ansdrücklich bemerke» möchte, ruhig a»
ihrcr Stelle bleibe». Dic obcrc Kröiinng jencs des »ördlichc» FlügclS wird »iitcr Entferiiiiiig dcr vcrnin
staltcnte» Stuckatur i» der Weise deS Altares selbst z» ergänze» scin. Sie bilden ga»; entsprcchendc Ab-
schlüsse der Seiteiischiffperspcktive inSbesondere der biinte» Mannigfaltigkeit der Kapelle». Auch eigne» sie
sich vorzngSweisc a» Festtage» znr Ailfstellniig deS rcichc» Schatzes a» Silbcrarbcitc», dcr i» dcr Schatzkammer
anfbcwahrt wird. Wen» die Dekorationen dcs QnerschiffcS, fallS nicht die zu Tagc kommendc» Malcrcic»
»cben dem Schimmcr der GlaSgemälde mit gcringe» Restaurationcil stche» blcibe» köniieii, entsprechend gehalte»
wcrde», so wird gerade der Gegensatz zwische» dcnselbc» und de» Altärc» schr günstig wirke» »nd dnrch gnte
Gruppirung von Fahne» imd dergleichen eine sehr befricdigende Grnppe gcschaffe» werde».

9. Der Münster enthält außer dem Hanptranme cine ganz beträchtliche Anzahl selbstständigcr klcincr
Nebcnbauten, deren merkwürdigste die vom hl. Konrad errichtetc, in gothischer Zeit umgestaltcte Kapcllc dcS
hl. Grabes ist, an deren ehemaligcr Thürschwelle noch hente die Grabstätte deS Heiligen gezeigt wird. Alle
diese Nebenränme, znnächst die Rundkapelle, sollten gleichfallS in würdigen Stand gesetzt werdcn. Zn der
Rnndkapelle wic in einzelncn anderen ist znnächst die Tünche zu bcscitigcn, nntcr welcher jcdenfalls intcrcssantc
Wandmalereien verborgen sind. Jm Allgemeinen wird jedoch in jenen Nebenkapellen nicht geradc viel zn
thnn scin. Wcnn entsprcchcnd anfgeränmt wird, wenn die da nnd dort hcrnmstehcnden ältercn Brnchstückc
benützt werden, so kann fast die ganze AnSstattnng, zwar anch nicht stilcinheitlich, abcr doch würdig znsammcii'
gcstcllt werden, und c§ wird nnr nöthig scin, cine Reihc von farbigcn Fcnstern zn bcschaffcn, von dcncn
cinzelne, vielleicht die Mehrzahl, blos teppichartig ornamental, anderc vicllcicht reich figürlich zn haltcn sind,
wobci wvl auch etwaige Stiftcr ihre Wünsche geltend machcn können. Anf cinen unscheinbaren Pnnkt möchte
ich in dieser Beziehung hinwcisen. Es ist die Thüre vermauert, unter deren Schwclle der hl. Konrad scinc
Grabstätte fand. Falls nun nicht bci Entfernnng dcr Tünche in der Rnndkapclle gerade an dicscr Stcllc
intcrcssantc Wandmalercicn zn Tage tretcn, müßte die Thüre wiedcr erösfnct wcrden, nicht alS Dnrchgang —
es könnte ja ein eisernes Gittcr an die Stelle kvmmen — sondcrn um das Charakteristische der Stätte zu
zcigcn, an welchcr sich der Heiligc in Dcmuth die lctzte Nnhestätte gesucht.

10. Natürlich kann cin Kostcnüberschlag erst gcmacht wcrden, wcnn anf Grnnd der wohl nnn
erfolgenden, vorlänfigen Feststellungen daS Projekt ausgearbeitet sein wird; aber es läßt sich jetzt schon sagen,
daß die nöthige Gesa m m t summe keine unbeträchtliche sein wird. DieS darf nicht erschrccken. Man wird
vorgehen, wie die Altcn vorgegaugen sind, welche, ihr Zicl im Auge, langsam fvrtarbeitcten, so oft und so
lange sie Mittcl znr Verfügnng hattcn. Zch habe wicderhvlt angedentet, daß dcr Jndividnalität von Stiftcr»
freier Spielraum zn lassen sei; solche haben sich überall gesundcn und werden sich finden, w e u n die Ar-
beiten in Gang gekvmmen sind, nnd es wird also keineswegs jede zu machendc Ausgabe dcr
Münsterstiftnngskommission zusallen. Diese mag allcrdings, ehe sie cinzelne Arbcitcn beginnt, immcr wohl
überlegcn, ob und woher sie die Mittcl für diese Arbciten anfbringt. Abcr sie kann ganz gnt jede cinzelnc
Arbeit, die eine Verbessernng in sich schließt, unternehmen, anch wcnn sie noch nicht wciß, wann cine zweite
folgcn kann. Als eine solche erste Arbcit cmpfehle ich vor Allem die Einsetznng der Maßwcrke in die Fenstcr
nnd die Entfernnng dcr Tünche. Beides mnß untcr allen Uinstäiiden geschehen nnd wird nicht vcrgebcnS
sein, auch wenn nichts anderes geschehen sollte.

Wie auch die Entscheidnng über die Frage der Entfernung dcr Stiikaturen, dcr Entfernnng des
Mittelschiffgewölbes und über den Altarbau ansfallen möge, so können dcfinitive Projekte doch erst dann
gemacht werdcn, wcnn bckannt ist, was nvch unter der Tünchc vcrborgcn stcckt.

Nürnberg, den 17. November 1878.

Dr. A. Ksseriivein.
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