Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 2.1882

Seite: 18
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Diözese Ronstanz fnhrte, und insbesondere im zehntsn Iabrbnnderte unsere vaterstadt init
Lseiligthnmern schinnckte, — wir meinen dnrch den lch Aonrad. Im )abr l876 trat
sein Andenken lebendig vor unsere Generation bei der ^eier seines slOOjährigen Inbilänms.

Als damals die Alünstergeistlichkeit die vorbereitnngsn zn disser ^estlichkeit erwog,
da legte sich die Wiederberstellung dersenigen bl. 2länme nahe, welche dis Auhestätte des
großen Bischoss bargen: Lassen wir darnber den jetzigen 2Nnnsterpsarrer Gnstav Brngier
in seinem Buch — „das 900jährige Inbilänm des hl. Ronrad, gefeiert zn Ronftanz
vom 25. November bis 5. Dezember k876" — reden, wenn er schreibt:

„Gs war, wenn ich nicht irre, im!5ommer des Iahres l875, als ich mit einigen
Alitbrüdern über die Aheinbrücke in Ronstanz ging. Dort ist die!v>tatne dss hl. Ronrad,
mehr als lebensgroß, in Ttein ansgestellt nnd trägt am j?wöestal bie Iahreszahl seines
Todes (9?6). Beim Vorübergehen sasjte einer meiner Begleiter, cherr Tooperator 2Aarbe,
diese Iahrzahl in's Auge nnd bemerkte: „Im nüchsten Iahre (l826) werden es 900 Iahre,
daß der hl. Ronrad hier starb; da sollten wir ssin sDOjähriges Iubilänm seiern." Dieses
Vort war das unscheinbare !5>enskörnlein, ans dem der majestätische Banm des Inbelsestss
heranswuchs, nnter dessen Aesten Tansende Auhe und Labsal sanden, mit dessen Hrüchten
Tausende sich stärkten znm Rampse gegen die Heinde des cheiles nnd zur Geduld im
Tragen ihres Rrenzes. Denn die Idee sand sosort Beisall nnd wnrzelte alsbald so fsst
in meinem Gsiste, daß ich sie nimmer ansznreißen wagte. Akan kann aber anch sagen:
Der hl. Ronrad mahnte uns so gleichsam selbst, sein Andenken wieder recht zn beleben
und sein Inbelsest zu seiern! And endlich mnsz man anch den Akännern, welche die
Aufstellnng dieser !ö>tatne angeregt oder beschlossen haben, die Thrs geben und bekennen:
chätten sie nicht dem Tchntzpatron von Ronstanz dieses Ltandbild gesetzt, wer weiß, ob
nicht das nennte Tentenarium seines glorreichen Todes vsrgessen worden wäre! Die Idee
meines Akitbrnders aber erzengte sosort eine zweite Idee, die der Aestauration der
Ronradikapelle. Denn er sprach — wenn ich mich recht erinnere, noch an Grt nnd
!v>telle — das Mort ans: „Bis auf das ^est müßte aber anch die Grabkapelle des
cheiligen restaurirt sein." Nichts war einlenchtender als dieser Gedanke. Denn die
gemeinte Rapelle, die in herrlichem gothischem Ttile gebant ist, war seit langsr Ieit sehr
vernachlässigt. Ts drang sort nnd sort Aegenwasser in das Gemäuer der südlichen Teite
und dadnrch Heuchtigkeit in die ganze Rapelle ein. Hast alles 2Aaßwerk der ^enster und
anch anderes Tteinwerk wnrde dadnrch bis znr Unbranchbarkeit zersressen, nnd der Altar
ganz wnrmstichig. Anßerdem waren die Vände, j)seiler nnd Gnrtsn seit dem vorigen
Iahrhnndert leider ganz übertüncht. Nnn wäre es doch zweisellos beim ^este ein greller
Akißton gewesen, wenn diese Rapelle allein des sestlichen T-chmnckes entbehrt hätte. In
ihrem tranrigen Iustande hätts sie unsere verehrnng und Liebe zum hl. Ronrad wohl
in einem höchst zweifelhasten Lichte erscheinen lassen. To wnrde denn anch diese zweite
Idee, das Rind der ersten, acceptirt und, die krästige Beihülfe meiner Akitbrüder sowie
meiner j)arochianen voraussetzend, anf des Rinnnels Tchntz bauend, ging ich natnrgemäß
znerst an die Restanration der sogenannten Ronradi-Rapelle."

Die Tt. Ronradikapelle ist 15 T-tnsen unter dein (lZnerschiss des 2Nünsters gelegsn,
ist also halb nnterirdisch. Tie stößt gegen Osten an den Anndban der sog. 2Nanritins-
kapelle. Ts ist dies merkwürdig wegen des solgenden Umstandes. Tt. Ronrad verlangte
nämlich, daß man seinen Leichnam vor dem Tingang der von ihm erbanten Tt. Akan-
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