Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 2.1882

Seite: 20
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alte_konstanz1882/0032
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Inschrift sich befindet: stui dabitg.8 in eölis^ mi^örerö nobi8. ^Vmiäel^ttüli, D. buiu8

6atb. L00I6. 6an. 6t. 6uut. Iiuiio aruui I). 6ouraäo Zaeraui eriZi ouravit 1608. Vor dem
Altare liegt derselbe begraben, das Vappen wnrde bei der Aestauration in die Alauer
eingesügt (er starb I6A).

An Grabmälern befinden sich in der Rapelle dasjenige eines 5tofielu, Inschrist
mit wappen aus Bronze: ,Msii8 eauouiouui äo 8toik6Üi soauuoni uäalrioi patri8 p08t ultiuia
tatu 6Xi886 juvat 6XUVÜ8 Vr6L0 M6UlilU886 MÜ686A8 unimo 0 tu äivu P0t68tu8 1504,

Bei der Lrnsuerung des Hußbodens wurden beide an der wand besestiget.
Mebrere andere Grabplatten konnten nicht mehr erkannt werden. )n der vorhalle stund
einst ein Altar des hl. Iohann Baptist; daran erinnern noch drei auf die wand ge-
malte wappen links neben dem Lingang in die Krspta, nämlich ein ^Knim Dsi und ein
Alohrenkops mit Inschrist: kuuäutor Iiuju8 ultari8. Durch die Länge der Zeit und namentlich
wegen schlechtsr Ranalisirung hatten Rapelle, vorhalle und Rr^pta*) außerordentlich
gelitten durch Heuchtigkeit. tr>ie wurden auch jährlich nur einmal, nämlich in der Vktav
des Festes vom hl. Ronrad, zum Gottesdienst benützt und blieben so bis zum Iahre 1875
vergessen und vernachlässigt.

Die schöne Aufgabe, das Ljeiligthum in neuem 5chmucke herzustellen, fiel den
Alönchen des hl. Benedict zu, jenen Alännern, die als Mchottenmönche" bekannt, an
disser 5telle vor vielen hundert Iahren das erste Gotteshaus errichtet hatten. In diesem
erhebenden Gedanken, die Alission der hl. Runst da weiter zu sühren, wo geistige vor-
sahren die ersten Mmenkörner dazu gestreut hatten, ging die junge Runstschule des
Benedictinerklosters Beuron im Donauthale**) srisch an's werk. Der 1)ochwürdigste
cherr Abt Dr. Maurus wolter entsandte zur ersten Linsichtsnahme der Rapelle den Iherrn
Tlrchitecten s)eter Lenz und den jungen Hrater 6IÜ8l6iui8 ä6 LAbmm (5ohn des berühmten
Architecten gleichen Namens in Belgien). In kurzer Ieit war alsdann in der ruhigen
Rlosterzelle zu Beuron der Aestaurationsplan sür Rapelle, vorhalle und Rr^pta ent-
worsen. Zugleich erboten sich die Alönche die schwierigsten und kunstvollsten Theile
selbst auszusühren und die Aussührung der übrigen zu leiten. Die Tntwürse wurden
mit wahrer Mrzenssreude ausgenonunen, und man konnte den Zeitpunkt kaum erwartsn,
bis der erste jAnselstrich das werk begann, um so mehr als die Aussührung in die 1)and
dss Iherrn Mrter (jetzt j).) Gabriel wüger gelegt war, der durch seine Leistungen in der
5t. Alauruskapelle bei Beuron und in der dortigen Rlosterkirche uns rühmlich bekannt
war.***) )hm schloß sich später an ^rater (jetzt j).) Lucas 5teiner, der Liesole der Beuroner
Runstschule, aus 5chwsz und ein sehr begabter Laienbruder Martin chuber. f) Nachdem
^rater Ghislenus im Hrühjahr l8ö6 die decorative Bemalung eingeleitet hatte, malten
die andern Rünstler vom sO. Iuni an die Lresken. Ueber dem Altar an der Ostwand
ist eine Rrönung Alariens: 5ie ist im dlnschluß an die Darstellungsn der italienischen

*) Näheres über die Ur^xta siehe Iahrgang 188t, lseft 2.

**) Nach der Aufhebung des Ulosters am Z. Dezember 1875 fiedelte ein Theil der Nönche mit dem Abte über
nach volders bei lfall in Tirol, und von dort nach dem k. k. Stifte Lmmaus in prag, ein anderer Thei! war schon früher
nach Nlaredsous in Belgien (jetzt eigene Abtei) gegangen und baute daselbst Airche nnd Aloster in frühgothischem Stil, ein
dritter Theil nach Lrdington in Lngland.

***) von ihm und lferrn Lenz (jetzt Fr. Desiderins in Prag) stammt anch das große Nadonnabild an dem am See
gelegensn Gnte des lserrn Medizinalrath Dr. Benzinger in Reichenau Unterzell, welches weit hinaus in den See sichtbar ist.
p. Gabriel Wüger stammt von Steckborn (Schweiz).

-s) Die gleichen Maler und Fr. Desiderius waren auch vom Abte des Lrzklosters Nonte Lassino dorthin berufen
zur Ausmalung der uralten lseiligthümer auf das iioojährige Jubelfest des hl. Benedictus; sie stellten dort die äußere und
innere Geschichte ihres Grdens in Fresken dar.
loading ...