Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 2.1882

Seite: 21
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Aleister (Giotto, Kesole) gehalten. In einer großen 2lnreole sitzen ans lichter Molke der
Lserr und seine heiligste Mutter, wie er der demüthig zu ihm geneigten die Ärone auss
Lsaupt setzt; zu beiden ^eiten bringen die Glorienengel ihr Räucherwerk dar. Die Lom-
position ist ties fromm, verständlich und ergreisend. Mas dieses Bild geraL>e in der
Grabkapelle unseres Lseiligen zu thun habe, ist Iedem klar, welcher weist, wie s. Zt.
!v>t. Koriradus in Maria Linsiedeln die dortige Gnadenkapelle unserer lieben ^rau ein-
weihen wollte. Nicht umsonst nennt ihn deßhalb der neueste Biograph in der L^'tanei:
„lheiliger Ronrad, du kindlicher verehrer Blariens!"

Auf der Bordssite der Kapelle bot sich nach Aumanerung einer Thüre in den
Areuzgang ein schönes Feld sür ein größeres ^resko; hier sollte die dsnkwürdige Bischoss-
weihe unseres j)atrons durch den hl. Ulrich von Augsburg zur Darftsllung kommsn.
2ln der öpitze dieses Aufsatzes haben wir eine Abbildung des ^resko gegeben, die einiger-
maßen wsnigstens die charactsristischen ^ormen der Beuroner Aunftschule wiedergibt; die
^arben und ihre eigenthümlichs Äimmung sind nicht wiederzugeben. Das Bild erklärt
sich selbst; die Mönche inalten ihrer Tmpstndung und auch der hiftorischen Mahrheit
entsprechend unter die Iuschauer Mönche und auch 2ludolf, den Bruder St. Ronrads.
Unter diesem großen Fresko, welches das ganze Ureieck der Bordwand einnimmt bis zur
Verbindungslinie der beiden Rreismittelpuncte der ^-egmente, brachten die Rünstler süns
Ueilige in einsachen Baldachinen an, links ansangend !v>t. Bicolaus (dem früher die
Rapelle geweiht war), dann !v>t. Gallus, !v>t. Bernhard (von Baden), ^t. j)elagius und
St. Gebhard II. Zwischen den einzelnen Liguren ift die kurze Legende des hl. Ronrad
in gothischsr !v-christ geschrieben. Bund in der Rapelle führt mannsschulterhoch ein
Teppich mit Granatäpseln herum. Die ^reskomalereien der Alönche haben verschiedene
Rritiker gefunden; manche stießen sich an den Hormen, andere an der Larbgebung. Liner
derselben spricht sich dahin aus: „Ls ist wenig damit gesagt, wenn man sie „b^zantinisch",
oder so odsr anders nennt. Uie Runftschule Beuron-Volders ift bestrebt, aus der Tiese
gottentflammter Lserzen das Heilige aus dsm Gebiete der Runst durchaus und streng so
darzuftellen, wie es des Lseiligen würdig ist. Uaher die verbannung aller ^innlichkeit
und weichlichksit; daher in Angesichten, Rörpsrsormen und Gewandungen die erhabene
Linsachheit und großartige vergeistigung, welche alles Sichtbare nur gelten läßt und der
Darstellung würdig stndet, sosern es sich zeigt als Gffenbarung des Uebernatürlichen und
Uebersinnlichen. Ts ist nicht jedem Alenschenkinde die Gabe verliehen, sich mit diesem
Runstgeschmack zurechtzustnden, gleichwie ss nach dem Sprichwort „nicht Iedem gegeben
ist, unter s)almen zu wandeln." Aber kein edles und reines Gemüth wird im !v>tande
sein, ohne tiefe Tmpfindung, ohne Bewunderung und Verehrung sich von diesen Runst-
gestalten abzuwenden." (Alts und Neue welt. bstest st. 187?)*). Das volk in seiner
unmittelbaren Tmpstndung fand und findet noch jetzt in den Gemälden seine Lrbauung.
In strengen wintern und trotz der Heuchtigkeit des Ortes haben die ^resken ihre bjalt-
barkeit erprobt.

Für die Altarmensa wurde in Beuron ein eichener Aufsatz gefertigt in Form der
alten Beliquienschreine, also ein überdachtss bjäuschen, in welchem ebenfalls nach alten
vorbildern der metallsne ^>chrein mit dem Ljaupte des hl. Ronrad jAatz stnden sollte.
Ueber der niedrig gehaltenen Leuchterbank erhebt sich der Untersatz des Ljolzschreines mit
dem ^Kims I)ei in der Alitte und dem bischöflich Ronstanz'schen und welsen'schen wappen

*) Diirch die gütige vermittlung der k)erder'schcil verlagshandlung wurde uns nom verlag der Alten uud Neneu
welt das Lliche zur Beniitzung iiberlassen, was wir hier dankbarst erwLhnen.
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