Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 2.1882

Seite: 54
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aä 3. Mr betrachten es als Lhronsache an der so hochinteressanten Restauration des Miinsters Antheil nehmen
zu können und möchten an hohe Behördcn das dringende Ansuchen stellen, die Gberleitung der Restauration in nnserii ksänden
zu belassen. Damit wäre von selbst eingeschlossen, daß die Ausaibeitiing der pläne für die zu restaurirenden Fenster uns
übertragen würde.

Bezüglich einer Gesammtrestanration des Niünsters erlauben wir uns unsere Ansicht wie solgt auszusprechen i

Die von kserrn Oirektor Dr. A. Lßwein in seinem Gntachten aufgestellten Grundsätze sind, abgesehen von einzelnen
Detailfragen, in welchen wir eine etwas abweichende Ansicht haben, so vortresflich und erschöxfend, daß dieselben ohne
Weiteres als Direktiven sür die Restaurations-Arbeiten benützt werden könnten. Immerhin dürfte es sich einpsehlen, che die
Restauration mit unifassenden Niitteln in Angrisf genoniinen wird, noch ein Gutachten oder wenigstens die Neinungs-Aeußerung
einer andern hervorragenden Autorität anf dem Gebiete gothischer Baukunst cinzuholen, etwa vielleicht den berühmten Gothiker
kserr Dombaumeister Schmidt in Wien durch Uebersendung des Lßwein'schen Gutachtens zur Mciniingsäußerung und vielleicht
zu einer Besichtigung der Ntünsterkirche zu veranlassen.

Sollten nach kserstellung dcr Seitenschiffkapellen, mit welcher voraussichtlich die Restauration begonnen wird, sich
so viele Ntittel vorhanden zeigen, daß umfangreiche Arbeitcn in Angriff genommen werdcn könnten, so würde man mit der
Restauration des Lhores beginnen und vor Allem die zwar an sich schönen, aber doch unkirchlichcn und den Gesammteiiidruck
ungemein störenden Stukkaturen an Gewölben und Wänden entfcrnen und wieder untersucheii, ob unter der Tünche keine
Anhaltspnnkte für die Dekoration vorhanden. Das mehr odcr weniger günstige Resultat dieser Untersuchung wäre alsdann
bei der Aufstellung eines planes als Grundlage zu benützen sür die architektonische Gestaltiing der Wände, den ornamentalen
und figuralen Schmuck von Wänden und Gewälben.

Der großartige Lindruck einer stilvollcn Restauration würde sodann wesentlich gehoben durch die ihrer scheußlichoii
Velfarbkruste entledigten schönen und hochinteressanten Lhorstühle.

Vb alsdann ein neuer großartiger ksochaltar an die Abschlußwand des Lhores aufgestellt werden soll, oder ob, wio
Lßwein meint, ein mächtiger Viorungsaltar errichtet wiirde, mag vorderhand dahin gestellt bleiben.

So schön die Idee ist, die Großartigkeit der gcsammten Ntünsteranlage ihre Loncentration in einem mit allen
Nlitteln der Aunst ausgestellten Baldachinaltare in romanischen Formen sinden zu lassen, so werden doch beziiglich dcs
beengten Raumes und der Art des Lelebrirens manche Schwierigkeitcn in den Weg treten. wir haltcn es siir^ein schwer
zu läsendes problem, eingezwängt zwischen die verhältnißmäßig hohen und überaus reichen Lhorstühlc einen romanischcn
Baldachinaltar zu errichten, der bezüglich seiner ksöhendiinensionen doch an gewisse Grenzen gebunden, eine bedenkliche
Loncurrenz an dcm Lhorgestühle finden müßte. Das Lhorgestühl dem ksochaltar zu liebe entfernen, scheint uns jcdoch nicht
zulässig zu sein. Uebrigens löst sich diese Frage endgültig und entschieden bei dcr Ausarbeitung des Projektes selbst. —
Dagegen ist die Anordnung des Triumphkreuzes unerläßlich und sicher von vorzüglicher Wirkung.

Dio großen, die Seitenschiffe beherrschenden Altäre, welche sehr glücklich den Abschluß der Seitenschiffpersxektive
bilden, könnten nach Lntsernung störender Zuthaton nnd nach erforderlicher Auffrischung an ihrer Stelle ohno Störung
belassen werden.

Daß über alle diese angesührten Arbeiten natürlich sorgfältige voranschläge und pläne anzufertigcn wären,
ist selbstredend.

(Schluß folgt.)

Die Redaktion an den wohlwollenden L^eser.

verschiedene hier nicht näher ausführbare Umstände haben wohl die Drucklegung und regelmäßige Ausgabo dieser
ksefte nicht aber die vorarbeiten dazu ins Stocken gebracht. Dies wolle der geehrte Leser gütigst entschuldigen.

Ls wird unsere Sorge sein, das Versäumte thunlichst nachzuholen.

In Gleichem zeigt die Redaktion an, daß mit Rücksicht auf die theure kserstellung der lNünsterbauhefte und den
ksauptzweck der gesammelten Beiträge der Ntitglieder nnd Theilnehmer des Münsterbanvereins von nun an statt q Iahres-
heften nur 2 ksefte xro Iahr erscheinen werden. Sonach werdcn die tit. Nlitglieder und Abonnenten erhalten ein Doxpelheft
pro t8S2 und ein Doppelheft xro tssq. Die Drucklegung und Illustration derselben ist vorbereitet.

Don da ab werden ein jährliches Dopxelheft oder 2 Iahreshefte in uiibestimmten Terminen erscheinen.

Aonstanz, ^5. Ianuar ^sss.

Die Redaktion.
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