Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Kopf der Athena Parthenos des Pheidias. 11

Denkmäler bis jetzt nicht erläutern zu können. Das geschieht aber
auf's vortrefflichste durch das vermuthlich kieinasiatische Bronze-
relief bei Micali Ant. mon. XXX, das wahrscheinlich den Kampf des
Herakles gegen Geryones darstellt. Nirgends ist der cpdXoc; so deut-
lich gebildet, wie bei dem Kriegerkopf links und zwar als ein vier-
eckiger, aus Metall zu denkender Stab, der sich etwa vier Finger
breit über der Stirn erhebt und dann mit einem kürzeren aber
dickeren Ende in rechtem Winkel nach hinten umbiegt. Der qpd-
Xoc; erscheint auf dem Relief diesseits des über die Mitte des Helms
laufenden Bügels, er hatte auf der anderen Seite also ein Gegen-
stück und damit ist der Helm als djuqucpaXoc; gesichert.

Für den „vierzinkigen" Helm fehlt noch die monumentale An-
schauung. Es liegt aber nahe, sich die qpdXot von Schläfe zu Schläfe
angeordnet zu denken, je zwei rechts und links vom Helmbügel.

Wenn die Alten über die qpdXoi so gar Nichts wussten und
auch unsere Erkenntniss nur mühsam fortschreitet, so wird sich dies
daraus erklären, dass, als die litterarische Ueberlieferung mit den ho-
merischen Gedichten einsetze, Wort und Sache schon veraltet waren
und nur in engem Kreis noch im praktischen Gebrauch fortlebten1).
Wir sehen im Wesentlichen nur Rudimente und zwar decorativ aus-
gestaltet. Denn genau so wie mit fortschreitender Kunstfertigkeit

Anschaulichkeit entbehren würde. Unmittelbar verständlich wird die
Schilderung-, wenn man den qpdXoq als emporragenden hornartig-en Vor-
sprung' denkt, dessen Spitze getroffen wird, über der, wie die Bilder aus
Klazomenai zeigen, der von einer Röhre gestützte Busch weht. Auch
die Angabe, dass bei gedrängter Aufstellung die Mannschaften einander
mit den cpdXoc; berührt hätten, erklärt sich besser bei hervorragenden
Zinken als einem fast in der Fläche des Helms liegenden Bügel.

1) Die Entstehungsgeschichte der cpdAoi am Helm liegt noch im
Dunkeln. Bei Homer und in Klazomenai und den von Furtwängier er-
wähnten Helmvasen dienen sie offenbar zur Verstärkung des Helms in
der Stirngegend. Aber es scheint mir ausgeschlossen, dass man für einen
so einfachen Zweck eine so individuelle und in mancher Hinsicht un-
praktische Form erfunden haben sollte. Die Form macht den Eindruck,
dem Bedürfniss nachträglich angepasst worden zu sein. Ich vermuthe
vielmehr, dass die cpdXoi Umbildungen von Hörnern sind, Avie sie als
Helmschmuck von Hellenen durch die mykenische Kriegervase bezeugt
sind. Es stimmt gut zu dieser Annahme, dass gerade in Klazomenai, wo
der 901X0C; sich am Helm so auffallend lange hält, auch die Hörner auf-
treten (A.Denkmäler I, 44). Helbigs Etymologie von cpdXoq = der „Bogen"
passt auf das Horn so gut wie auf den Bügel. Vergl. Ephem. arch, 1891,
18. 27 (Tsuntas).
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