Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Kopf der Athena Parthenos des Pheidias.

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der Zeus allerdings nicht errichtet worden zu sein, wenn anders die
Nachricht sich bewahrheitet: Dorp fei d könne aus baulichen Be-
funden den Nachweis erbringen, dass die Aufstellung des Zeus „ge-
waltsame Störunge»" der Architektur zur Folge gehabt habe. Wenn
aber Studniczka (Z. f. d. ö. Gymn. 1890, 751) durch diese Be-
obachtungen Dörpfelds, meine Annahme der Zeus sei 456—448
errichtet worden, schlagend widerlegt glaubt, so kann ich diesem
Sehluss nicht folgen. Denn auch der kundigste Architekt wird
schwerlich entscheiden können, ob jene Störungen 456 oder 436
eingetreten sind. Es bleibt also dabei: man erwartet, dass die Sta-
tue spätestens 456 in Angriff genommen wird. Wir haben nun bei
Plutarch eine Ueberlieferung, die uns nöthigt, die Vollendung des
Zeus vor 447 anzusetzen — aber dieser sollen wir nach S c h o e 11
nicht trauen, sondern glauben, die Eleer hätten volle 20 Jahre ver-
streichen lassen, bevor sie auch nur den Auftrag zur Errichtung des
Götterbildes gaben, dessen Vollendung kaum weniger als ein drittes
Jahrzehnt erfordert haben wird.

Für die von mir vertretene Datirung spricht ferner, was wir
über den Stil des pheidiasischen Zeus wissen. Die einzigen Denk-
mäler, die uns eine Anschauung von der Gestalt des Gottes vermit-
teln, sind bekanntlich einige elische Münzen der Kaiserzeit. So un-
genügend und unvollständig sie das Colossalbild wiedergeben, so
kann man auf den bessern Exemplaren (Imhoof-Gardner, Num.
comm. on Paus. pl. P, XX) doch deutlich archaische Elemente in
Form und Structur des Bartes erkennen, wie sie um 450 v. Chr.
selbstverständlich sind, um 425 v. Chr. unbegreiflich sein würden.

Auch scheint sich die Wirkung von Pheidias Zeuskopf auf die
Schöpfungen anderer Künstler bereits um die Mitte des Jahrhunderts
bemerklich zu machen. Kekule hat treffend am Zeus Tallevrand
(Arch. Zeit. 1874 Taf. 9) die „nachphidiassche Gcsichtsbildung" her-
vorgehoben neben dem archaischen Haar. An eine späte Vermischung
verschiedenartiger Stilarten wird er jetzt kaum mehr glauben, da
Funde der letzten Jahrzehnte gelehrt haben, dass fast alle Bildwerke,
die man für späte Erzeugnisse einer „eklektischen" Kunstrichtung
hielt, mehr oder weniger treue Copien nach Werken des V. Jahr-
hunderts sind, die von Haus aus den zwiespältigen Charakter einer
Uebergangsperiode an sich trugen. Das Original des Zeus Talley-
rand — der nebenbei bemerkt, wunderbar an Lebendigkeit und
Frische gewinnt, wenn mau den Abgnss bronzirt — wird Niemand
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