Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 18
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alterthumsfreunden1891/0028
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
18 Cr. Loeschcke:

später als die Parthenonseulpturen ansetzen; sein Platz ist die
Mitte des V. Jahrhunderts, wo er das früheste mir bekannte Zeug-
niss für das schöpferische Eingreifen des Pheidias abgiebt.

Und redet nicht der Parthenon in seiner architektonischen An-
lage, in seinen Metopenreliefs und Giebelgruppen, ja selbst im Cult-
bild der Göttin laut genug vom Einfluss Olympias auf Pheidias und
seine Genossen? Wäre die Anwesenheit des jungen Künstlers dort
nicht bezeugt, man müsste sie erschliessen, um jene starken Ein-
wirkungen auf's Einfachste zu erklären. Statt dessen verwirft
Schoeil nicht nur die Tradition bei Plutarch, die zwingend, aber
doch immerhin indirect den Zeus vor die Parthenos verweist, son-
dern auch die positive chronologische Angabe bei Plinius, der Phei-
dias und seine cruvepToXdßot am Zeus Ol. 83 (448 v. Chr.) datirt. Seine
Polemik gegen ältere Kunstschriftsteller, die erst nach Ol. 90 berühmte
Maler erwähnt hatten, begründet Plinius XXXV, 8, 54 mit den
Worten: cum et Phidian ipsum initio pictorem fuisse tradatur cli-
peumque Athenis ab eo pictum, praeterea in confesso sit LXXX
tertia fuisse fratrem eius Panaenum, qui clipeum intus pinxit Elide
Minervae quam fecerat Colotes diseipulus Phidiae et ei in faciendo
Iove Olympio adiutor. Hier liegt eine Quelle ersten Ranges zu
Grunde, vielleicht dieselben uoXuTrpaxuovnffavTec; örroubfj xd ec; xouc;
TrAdaraq, die Pausanias V, 20, 2 für Kolotes zu Rathe zieht. Denn
später bezeichnete die Periegetentradition (Paus. VI, 26, 3) die Athena
als Werk des Pheidias. Dass ihr Schild von Panainos bemalt wor-
den war, könnte in der Künstlerinschrift gestanden haben, wahr-
scheinlicher ist mir aber, dass die Angabe aus einer Rechnungs-
oder Inventarisationsurkunde stammt, wie sie im Interesse geordneter
Verwaltung für alle Goldelfenbeinbilder vorausgesetzt werden müssen.
Die umständliche, von Schoell aufgenommene Vermuthung, dass
Ol. 83 zuerst die dKun. des Perikles bezeichnet habe, von diesem
auf Pheidias übertragen worden sei und von Pheidias auf seinen
Bruder Panainos, lässt sich nicht erweisen. Denn Perikles dK|uq fällt
nicht Ol. 83 (vergl. v. W ilaino witz a. a. 0.), und Plinius knüpft jeden-
falls seine so ungewöhnlich zuversichtlich vorgetragene Zeitangabe
nicht an Pheidias, sondern direct an Panainos. Dass die drei Künstler,
welche gemeinschaftlich die Errichtung des Zeus in Accord genommen
hatten (Strab. VIII p. 354. Plin. XXXIV, 87), von Plinius unter
demselben Datum zusammengefasst werden unter Erwähnung ihrer
Thätigkeit in Elis, scheint mir auch jetzt noch ein starkes Indicium
loading ...