Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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G. Loeschcke;

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schiedenen Quellen zusammengetragen. Den chronologischen Rah-
men hat Ephoros geliefert, benützt ist ausserdem z. B. Krateros und
die Bemerkungen über die Schildporträts- machen ganz den Ein-
druck, auf gute Periegetentradition zurückzugehen: Robert hat im
Hermes XXIII, 448 scharfsinnige Gründe dafür geltend gemacht,
dass Polemon, der in seiner Periegese der Akropolis diese Fragen
berührt haben wird, über die Chronologie des Pheidias dieselben
Anschauungen vertreten habe wie Plutarch. Wie viele und welche
Gewährsmänner neben diesen benutzt sind, lässt sieh nicht be-
stimmen. Aber da Plutarch ein ebenso tleissiger wie belesener Mann
war, so wird man sein Referat, bis das Gegentheil erwiesen ist, als
die richtig gezogene Summe aus der bisherigen Discussion und aus
der breiten Masse der ihm reichlich zu Gebote stehenden histori-
schen Ueberlieferung ansehen. Vergl. Nissen a. a. 0. 407, 408.

Schoell glaubt freilich, Plutarchs Bericht sei eine willkürliche
Erfindung, gemacht um den Wortwitz des Aristophanes im „Frieden"
605 zu erklären: Oeiöiac; Trpdfcac; kcxküjc; d. h. „da es Pheidias schlimm
erging, als er wie ein ungetreuer TrpdKxwp öffentliche Gelder für
sich eingestrichen hatte." Man könnte in ähnlichem Doppelsinn
übersetzen: „als Pheidias schlechte — oder faule — Geschäfte machte."
Aber um diese Worte zu erläutern, reichte ja die allgemein geglaubte
Nachricht von Pheidias Anklage und Einkerkerung völlig aus. Wie
kam man darauf, nicht nur den Tod im Kerker zu erfinden, son-
dern sogar Controversen über die Todesart anzuspinnen? Wer hatte
den Einfluss, diesen Angaben, wenn sie im Widerspruch mit der
Wahrheit und bessern Tradition standen, eine so allgemeine Geltung
zu verschaffen, wie Plutarchs Bericht sie vermuthen lässt? Kurz,
etwas Stichhaltiges ist gegen die Nachricht vom Tod im Kerker
bisher nicht vorgebracht und der Versuch, sie für eine Exegetenfabel
zu erklären, misslungen; aber da wir auch ihren Gewährsinann
nicht kennen, so fehlt ihr die durchschlagende Kraft der Autorität,
trotz ihrer Makellossigkeit.

Ihr gegenüber steht die von Philochoros in seine Chronik auf-
genommene Erzählung: Pheidias sei nach Vollendung der Parthenos
wegen Unterschleifs eingekerkert worden, aber aus dem Gefängniss
entflohen, habe dann in Elis den olympischen Zeus gearbeitet, sei
jedoch nach dessen Vollendung wieder wegen Unterschleifs belangt
und von den Eleern hingerichtet worden. Schoell und v. Wila-
mowitz haben mich überzeugt, dass die Geschichte in dieser Form
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