Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Bronzeeimer von Mehrum.

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Von diesen Eimern enthielt der grösste
(Taf. II, 1) die Asche des Verstorbenen1); er
war mit einem Deckel von Bronze zugedeckt
und enthielt ausser der Asche noch vermoderte
Reste von Leder und Linnenzeug-, Salben-
fläschchen und einige Bronzestückchen. Dass
der Verstorbene ein Krieger war, geht aus
den übrigen Beigaben hervor. Schild, Schwert,
Lanze und Dolch sind durch ihre Reste ge-
sichert. Vom Schilde ist der Buckel erhalten
(Durchm. 0,19X0,21). Dieser sowie die Reste
der Schwertscheide bestehen aus Weissmetall.
Das zweischneidige Eisenschwert ist nicht in
der Scheide, sondern c. 1 m entfernt davon
gefunden, passt jedoch in diese, wenn man
sie ergänzt (vgl. beistehend in 1/8 Grösse). Die
Schwertklinge ist 59 cm lang. Die fragmen-
tirte Dolchklinge hat lß1^ cm Länge, die
Lanzenspitze 17 cm; beide sind natürlich von
Eisen. Die Lanzenspitze hat erhabenen Mittelgrat und runde Tülle.
Unbekannter Verwendung ist das hier in ^6 Grösse abgebildete
Bronzebeschlagstück, in welchem vier Bronzenägel stecken; es ist
0,238 m lang. Endlich wurde der Obertheil einer kleinen Bronze-
kanne, eine flache Schüssel aus „terra sigillata" von 32 cm Durch-
messer mit dem Stempel OF BASSI - Co und die Scherbe einer
zweiten gleichen Schüssel mit OFF - CANI gefunden.

Die Eimer lassen sieh mit Bestimmtheit in die erste Kaiserzeit
datiren. Dies ist dadurch möglich, dass genau übereinstimmende
Gefässe sich bei den Ausgrabungen von Pompeji und Herkulaneum
gefunden haben. Die Bronzegeräthe aus diesen Städten sind nun
freilich keineswegs alle gleichzeitig; man kann vielmehr auch unter
ihnen wie unter den Wanddekorationen ältere und jüngere Stücke
unterscheiden. Aber jene den unsrigen entsprechenden Eimer stellen
sich nicht zu der verhältnissmässig älteren, sondern zu der jüngeren
Serie, gehören also der früheren Kaiserzeit an.

Von diesen in Neapel aufbewahrten Stücken ist eines im Museo

1) Das Folgende nach den Mittheihmgen der Herren Schaaff-
hausen, Klein und Löschcke.
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