Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Bronzeeimer von Mehrum.

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Der Schwanenkopf, den wir an dem zweiten Mehrumer Eimer-
henkel sehen, ist ein bekanntes altgriechisches Motiv, das gerade
als Henkelendigung schon früh beliebt war und als Cheniskos be-
zeichnet ward. Dagegen hat der Maulthierkopf der anderen beiden
Henkel erst in der griechisch-römischen Geräthkunst seine hohe de-
korative Bedeutung erlangt. In den Produkten der früheren Kaiser-
zeit ist er ausserordentlich beliebt. An unsern Eimern kommt er
gleich in zwiefacher Verwendung vor, an den Henkeln und an den
Ansätzen des einen v). Der Grund für die grosse Beliebtheit dieses
Ornaments liegt offenbar in der Geltung des Maulthiers als bakchi-
schen Wesens. So finden wir den Maulthierkopf denn auch öfter
mit anderen bakchischen Figuren und Symbolen vereinigt und er
selbst erscheint zuweilen von Epheu bekränzt.

Die Köpfe an den Henkelansätzen unserer Eimer haben den-
selben bakchischen Charakter; in dem einen erkannten wir einen
Satyr, der andere ist wenigstens von Weinlaub umgeben. So wer-
den auch diese Eimer schwerlich nur für Wasser gedient haben.

Die Idee, einen menschlichen Kopf am Henkelansatz zu ver-
wenden, ist wieder eine an den altgriechischen Metallgefässen sebon
reich ausgebildete. Auch schliesst sich dort an den Kopf nicht
selten eine streng stilisirte Palmette an; doch das freie Blattwerk,
welches hier die Köpfe umgiebt, ist jener älteren Kunst vollständig
fremd. Dagegen finden wir die von Blättern umgebenen Köpfe wie-
der an den pompejanischen Gelassen, besonders den Kannen, häutig.

Den Ursprung dieser in der griechisch-römischen Dekoration
so beliebten Verbindungen von freiem Blattwerke mit menschlichen
oder thierischen Figuren muss man aber sicher schon in der helle-
nistischen Epoche suchen. Einen festen Halt dafür haben wir an
den verwandten Erscheinungen in der grossen Kunst, wo die vege-
tabilisch vermittelten Uebergänge menschlicher und thierischer For-
men an Wasserdämonen, Giganten und ähnlichen Wesen eben in der
hellenistischen Periode aufkommen.

Noch ist zu bemerken, dass das mehrfache Flechtband, das
wir an unsern Eimern an Mündung wie Füssen verwendet finden,
wieder ein ächtes altgriechisches Motiv ist2).

Die breiten niederen am Boden angelötheten Füsse der Mehru-
mer Eimergattung scheinen dagegen nicht vor der griechisch-römi-

1) Vgl. dazu z. B. Mus. Borbon. ITT, 47, 3.

2) Vgl. Ausgrabungen von Olympia, Bd. IV, Die Bronzen, S, 109,
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