Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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A. Fm-twäng'lef;

sehen Epoche vorzukommen. Die nächste Parallele aus der älteren
griechischen Zeit bieten die zu demselben Zwecke unter ebner- und
beckenförmige Gerätbe gelötheten drei kleinen Rollen, über welche
man vergleiche, was ich in den Ausgrabungen von Olympia, Bd. IV,
Die Bronzen, S. 138 zusammengestellt habe.

Die runden oder amazonenschildförmigen Durchbrechungen,
welche wir an den Mehrumer Füssen beobachtet haben, gehören
zum Typus derselben. Sie dienten keinesweges um etwas durchzu-
stecken, sonderjo lediglich um die Füsse leichter und, von unten
gesehen, gefälliger zu machen. Die Verzierung mit dem Flecbt-
bande findet sich auch sonst an dieser Stelle; so zeigt sie ein in
Berlin im Antiquarium befindliches Stück, wo die Augen mit Sil-
ber eingelegt sind; dasselbe hat auch die runden Durchbrechungen
ganz wie Taf. III, 8.

Eine kleinere aber direkt verwandte Art von Füsschen ist die
von geschweifter meist amazonenschildähnlicher Form, welche unter
flachen Gefässen der römischen Kaiserzeit oft vorkommt (so im Hil-
desheimer Silberfund; in Olympia, vgl. Ausgr. Bd. IV, Die Bronzen,
Taf. 08, 1270. 1271 und Text S. 197).

Wir haben die Eimer von Mehrum bisher nur im Zusammenhang
mit den Funden auf klassischem Boden betrachtet. Wir haben in
ihnen Gefässe kennen gelernt, die in der früheren Kaiserzeit in Ita-
lien beliebt gewesen zu sein scheinen. Die Funde in Deutschland
lehren uns nun aber, dass gerade sie verhältnissmässig häufig auch
zu unseren Vorfahren importirt oder von den Römern dahin mit-
genommen wurden. Wo die übrigen Fundgegenstände bekannt sind,
da sind es immer solche, die ebenfalls in die frühere Kaiserzeit wei-
sen. Namentlich pflegen Kasserollen und Siebe genau jener bekann-
ten Formen mitgefunden zu werden, die in Menge zu Pompeji an den
Tag gekommen sind. Ich beschränke mich darauf, die vier von mir
selbst gesehenen Funde dieser Art zu erwähnen, die sich im Berliner
Museum für Völkerkunde befinden. Sie genügen vollständig zum Be-
weise des Gesagten.

Unter diesen enthält die am schönsten verzierten Stücke der
Fund von Schönwitz (Reg.-Bez. Köslin, Prov. Pommern). Der Hen-
kelansatz ist als eine schöne weibliche Maske gebildet mit je zwei
an den Seiten steif herabfallenden Locken (die ebenso an einem der
Neapler Stücke vorkommen); darüber stehen zwei Flügel vom Kopfe
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