Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Bronzeeimer von Mehrum.

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ab, welcher demnach als Meduse zu bezeichnen ist. Die Enden des
Henkels laufen in Adlerköpfe aus. Derselbe ist mit grossen Blättern
verziert, entbehrt jedoch ausnahmsweise des Ringes oben. Von den
Füssen ist einer erhalten; er ist, wie so häutig-, nicht massiv, sondern
durchbrochen gebildet. Der Eimer selbst ist nicht erhalten, doch
die mitgefundenen Stücke einer gewöhnlichen Kasserolle.

Ein sehr schöner Fund ist der von Wichulla (Kreis Oppeln,
Prov. Schlesien), der, im Besitz des Barons von Falkenhausen
zu Wallisfurth, seit einiger Zeit im Berliner Völkermuseum aufge-
stellt ist. Das Hauptstück desselben ist ein silberner Becher mit in
getriebenem Relief dargestellten Seewesen. Form und Ornamentik,
Technik und Stil lassen diesen Becher denen von Hildesheim als
nächst verwandt erscheinen; er gehört also in dieselbe Zeit wie
diese. Unter den Bronzen befinden sich neben den üblichen Kasse-
rollen und dem Sieb eine grosse Schüssel mit zwei horizontalen Hen-
keln, die in Schlangen ausgehen; dies Motiv ist wieder altgriechisch,
aber Stil und Ausführung entsprechen genau den pompejanischen
Gefässen, unter denen auch ganz übereinstimmende Schüsseln vor-
kommen. Das dritte Hauptstück des Fundes ist nun ein Eimer von
derselben Form wie der grösste der Mehrumer. Der Henkel, von
der üblichen Form, hat einen undeutlichen Thierkopf (Reh oder dgl.)
an den Enden. Der Ansatz zeigt wieder einen Frauenkopf mit ähn-
lich geordnetem Haare wie in Mehrum; er ist ausdruckslos und ziem-
lich roh ausgeführt. Nach unten dienen Palmettenblätter zum Ab-
schluss, die wie absichtliche Nachahmung der strengen altgriechischen
Form erscheinen, indem sie breite runde Enden haben und Blatt an
Blatt eng ausehliesst. Nach den Seiten springen etwas undeutliche
langgestreckte Thierköpfe heraus, die wahrscheinlich Rehköpfe sein
sollen. Au den pompejanischen Eimern kommt der Typus dieses
Henkelansatzes ebenfalls vor. Von den Füssen ist einer erhalten;
er zeigt aussen das Flechtband.

Ein dritter Fund ist der aus einem Skeletgrab von Biethkow
im Kreis Prenzlau, Prov. Brändenburg. Der Eimer ist vollständig
erhalten bis auf die Füsse, die fehlen. Die Enden des Henkels sind
als Schwanenköpfe gestaltet. Die Henkelansätze zeigen denselben
Typus wie die des vorigen Fundes, nur ist die Ausführung hier noch
wesentlich geringer, ja geradezu roh. Die seitlichen Thierköpfe
scheinen solche eines grossen Vogels sein zu sollen. Ausserdem ward
wieder die übliche Kasserolle und das Sieb gefunden, sowie eine

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