Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 37
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Die ara Ubiorum und das Legionslager beim oppidum Ubiorum.

In den Worten: Interea legati ab senatu regressum iam apud aram
Ubiorum Germanicmn adeunt, inuss man sich vor Allem die gram-
matische Verbindung' deutlich machen. Iam und die Wortstellung
zeigen offenbar, dass nicht zu verbinden ist apud aram Ubiorum
adeunt, sondern gedacht wird regressum et iam apud aram com-
morantem mit der dem Tacitus geläufigen Auslassung des Partici-
piums besonders bei Präpositionen und einem abhängigen Kasus, wie
Pannonii nondum sub signis (H. II, 14), Priscum in isdem furori-
bus (A. XVI; 28). Ja dieselbe Kürze findet sich bei legati ab senatu,
und auch bei regressum ohne nähere Bestimmung waltet sie vor.
Tacitus liebt solche markige Kürze, wodurch leider seine Erzählung
oft dunkel wird. Selbst bei apud aram. Ubiorum ist sie zu bemer-
ken: denn eigentlich sollte es heissen in castris apud aram Ubio-
rum; die Auslassung ist eine ähnliche, wie wenn Bonna, Novae-
sium, Vetera für castra apud Bonnam, Novaesium, Vetera stehen.
Die Gesandten suchten den Germanicus nicht bei der ara Ubiorum,
sondern im Lager auf, das sich in der Nähe der ara befand. Dass
Tacitus unter ara Ubiorum nicht die Stadt gemeint, ergibt sich uns
daraus, dass er diese drei Kapitel vorher und auch XII, 27 oppidum
Ubiorum nennt, er ara Ubiorum an der einzigen Stelle, wo es
sonst vorkommt (I, 57), offenbar nicht von der Stadt braucht, da er
verbindet sacerdos apud aram Ubiorum creatus. Wir kommen dar-
auf später zurück. Hiernach zeugt die Stelle freilich für die Nähe
des Lagers bei der ara, nur nicht für die nächste Nähe, wo ad
stehen würde. Die Bezeichnung der Lage von einem nahe liegen-
den Punkte finden wir auch I, 45, wo es heisst quintae et unetvi-
censimae legionum sexagesimum apud lapidem (loco Vetera no-
men est) liibernantium. Wie in unserer Stelle die ara, wird dort
der nächste Meilenstein zur Angabe der Lage verwandt, aber
noch der Name des nächsten Ortes (loco) beigefügt, von dem das
Lager später selbst seinen Namen erhielt, da man diesen adjekti-
visch fasste. Dass das Lager im Lande der Ubier war, horten wir
schon zwei Kapitel vorher; es kam nur darauf an, die Lage näher
nach der gangbaren Bezeichnung anzugeben.

Doch wenden wir uns zu Wolfs weitern Annahmen über die
ara. „Sie wird später, als das oppidum zur Kolonie erhoben wurde,
und die Ubier Römische Sitten angenommen hatten, in einen Tempel,
das delubrum Martis, verlegt worden sein." Diese seltsame Annahme
beruht einzig auf der falschen Voraussetzung, die ara sei einem Ger-
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