Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 38
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H. Düntzer:

manischen Gotte geweiht gewesen. Da sollen denn die Ubier zur Zeit,
wo sie Römische Sitten schon angenommen hatten, es nicht mehr für
gerathen gehalten haben, sie an einem freien Platze stehen zu lassen,
sondern sie sorglich hinter den Wänden eines delübrum halbweg zu
verbergen. Als ob nicht auch die ara, für die ein besonderer sao'er-
dos, doch wohl mit Dienerschaft, bestellt war, nicht auch in einem
Tempel gestanden hätte und mit einem Haine umgeben gewesen
wäre! Und war sie nicht in einem Marstempel eben so den Blicken
ausgesetzt, wie wenn sie wunderlich genug im Freien für sich allein
gestanden hätte? Wie sollte man in der colonia Ägrippinensium
die Germanischen Gottheiten verleugnet haben, während in Rom, und
auch in Köln, wie die erhaltenen Inschriften zeigen, alle fremdländi-
schen Götter Aufnahme gefunden hatten? Aber es handelt sich nicht
allein um die ara, sondern auch um die dabei stattfindenden Opfer
und die Festfeier. Diese sollen auf einmal abgestellt oder in einen
Tempel des Mars gesperrt worden sein ? Und hätten die Römer An-
stoss an der Verehrung des Germanischen Kriegsgotts genommen,
so dass die Ubier, da sie doch den Dienst der Semele und ihrer
Schwestern gestatteten, ara und Festfeier des einheimischen Gottes
verdecken mussten? Wir stellen uns hierbei einmal auf Wolfs fal-
schen Standpunkt. Während man gewöhnlich das Verbleiben der
staatlichen ara bis zur Fränkischen Zeit an Ort und Stelle annimmt,
dient Wolf seine auf nichts beruhende Versetzung, erst vom rechten
auf das linke Ufer, dann in einen Marstempel, zur Begründung der
Ansicht, dass sie dem Mars geweiht gewesen. Er erklärt diesen
Marstempel für das aus der Geschichte des Vitellius bekannte delü-
brum Martis, in welchem sich das Schwert des Julius Caesar be-
fand, das „der zum Imperator ausgerufene Vitellius in die Hand
nahm und damit seinen Umzug hielt". Sueton berichtet uns, gleich
bei der Begrüssung als Imperator habe ihm einer das aus dem de-
lübrum Martis genommene (detractum) Schwert Casars gereicht,
das er entblösst in der Hand gehalten. Dass der Mars des delubrum
das Schwert Casars in seiner Hand gehalten, ist eine ganz unbe-
rechtigte Vorstellung: es war ein Weihgeschenk, wie man auch in
Gallien ein angebliches Schwert Cäsars im Tempel des Mars aufge-
hangen hatte, Vitellius später den pugio des Otho nach Köln schickte,
um ihn dem Mars zu weihen, aus dessen Tempel das geweihte
Schwert genommen war, mit dem er als Imperator durch die Stadt
getragen worden war. Und wie kommt Wolf dazu, in dem delu-
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