Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 41
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Die ara Ubiorum und das Legionslager beim oppidum Ubiorum. 41

die ara als eine den Ubiern „mit andern deutschen Stämmen ge-
meinschaftliche Kultusstätte" bezeichnet hat, sie hier den Ubiern
allein zuweist. Auch dadurch lässt er sich an der Germanischen
ara nicht irre machen, dass der Priester derselben seinen Abfall von
Rom damit beginnt, dass er seine heilige Binde, die an sich schon
auf Römischen Dienst deutet, zerreisst, statt als echter Germani-
scher Priester begeistert zur Befreiung seines Volkes aufzurufen,
ja er lässt getrost den Arminias das Priesterthum des Germani-
schen Kriegsgottes ein Römisches nennen, weil es von Rom ab-
hängig sei. Und doch wäre ein Germanisches Priesterthum, dem
ein Römer als Ehrenpriester vorsteht, schon nicht ein Römisches,
sondern ein Unding, wie es wirklich nichts als eine Ausgeburt des
Missverständnisses ist. Aber die einzig sachgemässe Deutung wird
als „ganz sicher" unstatthaft abgewiesen, ohne andern Beweis als dass
in ara Ubiorum der Genetiv Ubiorum nicht soll heissen können „im
Lande der Ubier", sondern „den Ubiern eigenthümlieh". Wolf hätte
freilich das sacerdotium Romanum als eine blosse Vermuthung ab-
wreisen*können. Und wirklich scheint mir Fr. Aug. Wolfs Roma-
num für das überlieferte hominem sehr bedenklich, wofür ich ein-
fach hominis vermuthe. Sehr wohl konnte. Arminius das Priester-
timm des Augustus als ein sacerdotium hominis verhöhnen, wie
Tacitus ihn darauf sagen lässt ille intet numina dicatus Augustus.
Jedenfalls musste die Verachtung dieses sacerdotium ausgedrückt
werden.

Doch wir sind mit den Folgerungen aus der Auffassung der
ara Ubiorum als einer den Ubiern eigenthümlichen Kultuseinrich-
tung des Germanischen Kriegsgottes Tin oder Tins noch nicht zu
Ende. Der Name Deutz stehe damit wohl in Verbindung, worüber
ich mich Jahrb. LXXX, 18 erklärt habe. Aber damit noch nicht
genug, auch die frühere Ubierstadt auf der rechten Rheinseite ist
wohl vom Kriegsgotte benannt, obgleich die Ubier ein Handelsvolk
waren, das nicht auf kriegerische Abenteuer ausging, sich nur un-
behelligt zu erhalten und zu bereichern suchte. Und aus welchem
Grande? „Weil dort oder in einem ihr benachbarten Haine der
Sitz seiner Verehrung war"', was eben gar nichts weiter als die
nebelhafteste Möglichkeit ist. Und doch wird auf einen solchen
Unterbau die krönende Kuppel gesetzt: vielleicht sei auch die Ubier-
stadt des linken Ufers ebenso genannt gewesen. So hätte sich also
der alte Name nur beim Castell Deutz erhalten, das Wolf freilich
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