Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 47
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I

Die ara Ubiorum und das Legionslager beim oppidum Ubiorum. 47

Römerstadt beweisen niclits weniger, als dass sie zum Legionslager
angelegt gewesen. Die Ubier wussten wohl, wie sie eine Stadt
zweckmässig anlegten; sie hatten eine grosse Haupt- und Handel-
stadt längst gehabt und konnten bei dein Neubau leicht die etwa
dabei empfundenen Missstände vermeiden. Von der ursprünglichen
Gestalt des oppidum der Ubier am linken Rheiuufer lässt sich kaum
mehr mit Bestimmtheit sagen, als dass es im Viereck gebaut war
und zwei von Thor zu Thor durchgehende Strassen sich durchschnitten.
Stimmt dies auch mit der Anlage der castra, so ist damit doch
nicht im geringsten erwiesen, dass das oppidum ursprünglich ein
Legionslager gewesen. Veith findet einen Beweis dafür in dem
Umstände, dass „die schnurgerade Richtung der Rheimser Strasse
nach unsern besten Karten scharf auf den Kölner Berlich führt".
Aber kaum ist anzunehmen, dass genau der Funkt der Mündung
der Strasse bezeichnet sein soll, wie denn auch die drei Strassen
auf der Peutingerschen Karte an drei verschiedenen Stellen des bild-
lich dargestellten Lagers auslaufen. Und diese Karte fällt in die
Zeit, wo Köln schon Agrippina hiess, das Winterlager der beiden
früher dort gelagerten Legionen längst von ihm verlegt war, wie
denn auch bei Bonna ein Lager gezeichnet ist. Und weshalb müs-
sen wir annehmen, dass Agrippa, als er die Strassenzüge entwarf,
schon die genaue Lage der einzelnen castra fest bestimmt hatte?
Auch führte eine Strasse von Tolbiacum am oppidum vorbei auf
Novaesium (Jahrb. IX, 183 XXXI, 47 LXXVIH, 33), und diese
könnte leicht die ältere sein. Dass Köln der Knotenpunkt vieler
Strassen war, erklärt sich, wie schon Hettner (Korrespondenzblatt
VI No. 54) bemerkt hat, aus der grossen Bedeutung der von Anfang
an ohne Zweifel stark bevölkerten Haupt- und Handelstadt, beweist
nicht, dass die Stadt selbst ursprünglich Lcgionslager gewesen.
Noch andere beachtenswerthe Gründe führt Wolf a. a. 0. S. 55 f.
an, weiterer werden wir unten bei der Besprechung von Bergks An-
sicht gedenken.

Freilich wenn die spätere Römerstadt ursprünglich Legions-
lager war und man das oppidum Ubiorum zwischen dies und den
Rhein presst, ist man fast genöthigt, da zwischen beiden kein nen-
nenswerther Raum bleibt, die ara in das angebliche Inselrevier zu
verlegen. Aber die Annahme der Salzgasse beruht nur auf der wun-
derlichsten Grundlage, der Wallrafschen Verwechslung. Wallraf
selbst hatte eine von seiner Romanisirungssucht eingegebene Stelle
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