Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 49
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alterthumsfreunden1891/0059
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Die ara Ubiorum und das Legionslager beim oppidum Übiorum. 49

oppidum Ubiorum bezogen, Avas man wenigstens als möglich zu-
geben muss. Freilich scheint es nicht ausgeschlossen, dass ein-
zelne Städte eine eigene ara des Augustus besessen, wo man am
1. August dem Genius desselben Opfer brachte; zu der Festfeier und
der Landtagsversammlung im oppidum Ubiorum wurden eben nicht
diese, sondern andere Abgeordnete gewählt. Leider fehlt uns über
letztere jede nähere Kunde. Otto Hirschfeld hat 1886 in den
„Abhandlungen der Berliner Akademie" (S. 1152) vermuthet, und ihm
stimmt Asbach zu (Jahrb. LXXXVI, 125), bei der ara sei auch ein
Cenotaphium des Drusus gewesen, an welchem jährlich eine Parade
der Legionen stattgefunden. Aber die Legionen haben mit der
Bürgerfeier der ara nichts zu thun, bei welcher dem August am
ersten Tage des von ihm benannten Monats geopfert wurde, an
welchem diese zu Lugudunum, und auch wohl die zu Köln, geweiht
worden; beim Cenotaphium des Drusus, wenn ein solches in Köln
bestand, kann nur, wie in Mainz (Jahrb. XVII, 25 ff.), an dessen
Todestag, dem 14. September, das Todesopfer gebracht und die
Ehrenparade abgehalten worden sein.

Ueber die ara Ubiorum besitzen wir auch eine auf Veran-
lassung ihrer neuern Verlegung nach Godesberg von Bergk mit der
ihm eigenen Schärfe, Klarheit und Entschiedenheit geschriebene Ab-
handlung: „Zum Streite über den Ort der Ava Ubiorum", in der
von Julius Asbach 1882 herausgegebenen Schrift „Zur Geschichte
und Topographie der Rheinlande in Römischer Zeit", wozu die
von Asbach aus dem Nachlasse mitgetheilten Bemerkungen
Jahrb. LXXXI, 125 f. gehören, die sich nicht ohne Leidenschaft
gegen Prof. Schneiders Behauptung Jahrb. LXIII, 11 wenden,
im Lager der Alteburg habe die ara Ubiorum gestanden, wovon
das Lager selbst Ara Ubiorum geheissen. Schneider stützte sich
auf die gangbare Annahme, auf der Alteburg fänden sich die Reste
des Winterlagers, und er glaubte bei Tacitus apud aram Ubiorum
als Bezeichnung des Winterlagers fassen zu dürfen. Er nahm dort
eine mansio seines östlichen Strassenarms an, wie Colonia Agrip-
pina auf der Peutingerschen Tafel als eine solche des mittlem Ar-
mes bezeichnet werde. Wir haben hier auf die sehr verwickelte
Frage über die Verbindung der Alteburg mit dem Strassenzug und
der dorthin gehenden Wasserleitung nicht einzugehen, aber dass in
einem Legionslager der bürgerliche Ubische Bundesaltar gestanden
habe, können wir an sich nicht wahrscheinlich finden. Doch wen-

4
loading ...