Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 52
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H. Düntzer:

verstehen. Da nach I, 31 das Sommerlager der Legionen in finibus
Ubiorum r) gewesen, könne von Cäcina nicht gesagt werden, er
habe sie in das Gebiet der Ubier zurückgeführt, sondern civitas
müsse die Hauptstadt sein. Aber Bergk hat übersehen, dass ich
schon längst (Jahrb. XXVI, 48 f.) bemerkt und später (bei Pick
VI, 456 ff.) wiederholt habe, dass statt in finibus nothwendig zu
lesen sei in fine, wie XVI, 15 apud finem Ligurum steht und finis
auch sonst bei Schriftstellern und auf Grenzsteinen (Bergk S. 107 f.)
sich findet. Ein ähnliches Beispiel, dass eine Stadt zuerst einfach
als oppidum eines Volkes, später mit einem besondern Xamen, wie
es hier der Fall sein würde, genannt worden, hat Bergk nicht bei-
bringen können. Nichts beweist für den Wechsel von oppidum und
civitas die von ihm angeführte Stelle H. I, 63. Dort heisst Diviodu-
rum Mediomatricum oppidum, dann aber ist die Rede von der Er-
mordung der unschuldigen Bürgerschaft (caedes innoxiae civitatis)
und von der Vernichtung der Bürgerschaft (excidium civitatis), wie
es in demselben Kapitel heisst: Universae civitates (alle Bürger-
schaften) cum magistratibus et precibus occurrerent. Dass civitas,
wie es von der Bevölkerung (den cives) und dem Gebiete steht,
auch von der Stadt gebraucht wird, ist freilich ausser aller Frage;
nur die von Ritter angeführte Stelle A. XIII, 57 gehört hierher so
wenig, dass in ihr deutlich das verbündete Volk genannt und be-
stimmt unterschieden wird von der Stadt, bis zu deren Mauern das
fürchterliche Feuer gedrungen sei.

Dadurch dass Bergk Ära Ubiorum ohne Weiteres für die
Stadt erklärt, hat er sich des Beweises nicht überhoben, dass wirk-
lich das Legionslager in der Stadt gewesen, was um so mehr erst
festzustellen war, als es wider den Gebrauch ist. Dagegen glauben
wir aus Tacitus selbst darthun zu können, dass die Soldaten nicht
im oppidum Ubiorum lagen. Wie wenig auch die Beschreibung
des Aufstandes I, 39 als Muster deutlicher Beschreibung gelten kann,
so ergibt sich doch, dass derselbe sich nicht innerhalb des oppidum
als Legionslager abgespielt haben kann. Die Aufständischen begeben
sich bei schlafender Nacht (concubia nocte) in das Haus des Ger-
manicus, um sich die Fahne von ihm ausliefern zu lassen; dieses

1) Wolf denkt S. 55 dabei an Bonn, aber es ist offenbar ein Ort
zwischen den beiden Winterlagern bei den Ubiern und Vetera gemeint,
wahrscheinlich Gelduba.
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