Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. Düntzer:

rum sei ein Lager gewesen, durch sein Ansehen Vorschub geleistet.
Wesentlich schliesst sicli an ihn Asbach an in dem gediegenen
Vortrage : „Die Anfänge der Ubierstadt" (Jahrb. LXXXVL 125—132),
der freilich auf das Verhältniss des Legionslagers zur colonia Agrip-
pinensis oder, wie man später zu sagen vorzog, Agrippinensium,
nicht näher eingeht. Auch er schreibt der ara grossen Einfluss auf
andere Germanische Stämme zu und lässt sie bis zur Fränkischen
Zeit bestehen. Bergk habe wohl richtig vermuthet, der zu (oder
bei) Tolbiacum im Jahre 352 verstorbene Masclinius Maternus habe
ausser andern in Köln bekleideten Aemtern auch das Priesteramt
versehen (auf der Grabschrift heisst er Dec. C. A. [decurio coloniae
Agrippin.], aedilicius, duumviralis, euratoricius, saeerdotalis, ex
comitibus), und sei einer der letzten gewesen, der das Amt bei der
ara Ubiorum versehen habe. Aber aedilicius, duumviralis und
euratoricius zeigen deutlich, dass saeerdotalis nur darauf sich be-
zieht, dass er einmal ein Priesteramt verwaltet. Und solcher gab
es eben sehr viele, wie wir z. B. auf der Kölner Inschrift II, 25 einer
ara der Semele und ihrer Schwestern begegnen, wo der als geist-
licher Vater neben der geistlichen Mutter Erseheinende auch saeer-
dotalis heisst. Und dass die Würde des_ saeerdotalis so weit nach-
steht, erst vor der eines gewesenen comes, spricht eben gegen eine
besondere Bedeutung, da die zeitliche Erlangung der Aemter nicht
berücksichtigt scheint. Jedenfalls kann dieser saeerdotalis nicht für
das so lange Bestehen des Kultes des Augustus in Köln dienen, wo
übrigens auch andere Kaiser und Agrippina ihre Priester hatten.
Wenn Asbach ferner meint, die Bezeichnung der Kolonie als Ara
habe der Umgangssprache angehört, so möchten wir sie lieber der
Römischen Amtssprache zuschreiben. Sie mag aus der Zeit stammen,
wo um die ara nach dem Zerfalle des Lagers sich eine Ansiedelung
von Veteranen gebildet hatte, deren Bedeutung es nahe legte, der
Kolonie selbst, deren Vorort sie geworden, diesen echt Römischen, noch
über die Zeit ihrer Erhebung hinausreichenden alten Namen zu ge-
ben, nur ohne den Zusatz Ubiorum. Dieser Gebrauch von Ara
lässt sich vor dem Ende des ersten Jahrhunderts nicht nachweisen.
Bergk bemerkt nur, dass alle betreffende Inschriften nach dem
Jahre 50 fallen.

Hübner erklärt sich in der bedeutenden Abhandlung: „Die
Studien über den Römischen Grenzwall in Deutschland" (Jahrb.
LXXXV1II, 59) gegen die Vorschiebung einer alten Rheininsel,
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