Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 57
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Die ara Ubiorum und das Legionslager beim oppidum Ubiorum. 57

die Legionen vom verweichlichenden Stadtleben fernzuhalten, wovon
Bonna und Novaesium, die er näher bespricht, deutliche Beispiele
sind. Warum soll man denn beim oppidum Ubiorum davon abge-
wichen sein, und, was wir an sich für widersinnig halten müssen, bei
der Gründung der Haupt- und Handelsstadt ein Lager von zwei
Legionen hineingebaut haben'? Wenn Agrippa die Ubier verpflanzte
und sie am linken Ufer sich eine Stadt anlegen Hess, die bald her-
anblühen sollte, so war es sehr natürlich, dass er in die Nähe auch
eine bedeutende Militärmacht zu ihrem Schutze gegen die feind-
lichen Germanen legte, wenn auch nicht nothwendig in die nächste
Nähe, aber die Bestimmung, dass hier und bei Vetera je zwei Le-
gionen ihre Standquartiere hatten, wird erst später von Augnstus
getroffen worden sein. Dass in den Mauern des Römischen Köln
keine Reste sich gefunden, möchte Könen daraus erklären, dass
man bei Anlage derselben nicht an lange Dauer des Lagers gedacht,
da man die Absicht gehabt, das Römische Germanien bis zur Elbe
oder zur Weser auszudehnen. Aber als Augnstus die Anordnung
der acht Legionen am Rheine traf, von denen zwei beim oppidum
Ubiorum liegen sollten, mussten die frühem zeitweiligen Lager je-
denfalls in dauernde verwandelt werden, und zum Beweise, wie
tüchtig die Römer damals bauten, braucht man gar nicht einmal
auf die Reste der Alteburg zu verweisen. Die auffallende Thatsache,
dass jede Spur des Legionslagers bei Köln verschwunden, kann
keinen Beweis liefern, dass dieses innerhalb des oppidum Ubiorum
gestanden, da sich dort ebensowenig solche gefunden haben. Wenn
die Flottenstation wenigstens einzelne Reste im Boden erhalten hat,
so darf man dies dem Umstände zuschreiben, dass gerade hier nicht
so frühe schreckliche Zerstörung gewüthet, wie in dem Römischen
Köln und der nördlich von der Römermauer gelegenen Vorstadt,
wo Franken und Alemannen wüthend gehaust und so manche Reste
des Römischen Alterthums zu geistlichen und weltlichen Bauten be-
nutzt, besonders Weihesteine und Denkmale aller Art, zum Theil
behauen und durchsägt, als Werksteine verwandt wurden, deren In-
schriften häutig abgeschlagen oder sonst zerstört wurden. So wenig
das Fehlen aller Spuren des Legionslagers die Thatsache umstossen
kann, dass dieses bei Köln gewesen, so wenig kann dieses gegen
eine auf Gründe gestützte Annahme seiner Lage zeugen.

Der kaum zu bestreitende Nachweis, dass sich in der ersten
Kaiserzeit auf der Alteburg die Station der classis Germanica be-
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