Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die ara Ubiorum und das Legionslager beim oppidum Ubiorum. 59

ken und Normannen, dann das geschäftliche Leben und Treiben den
Boden wesentlich umgestaltet, so dass z. B. auf dem Eigelstein im
Jahre 1862 gefundene Grabsteine von Soldaten ans dem Anfange
des zweiten Jahrhunderts 5 Meter unterhalb des damaligen Strassen-
pflasters lagen, während sie zur Zeit ihrer Weihung an offener Strasse
standen. Aber dennoch dürfen wir nach der jetzigen Gestalt des
Bodens annehmen, dass schon in der ersten Römerzeit dieser sich
von der Machabäerstrasse und vom östlichen Ausgange der Strasse
unter Kranenbäumen zum Kunibertskloster erhob, wie wir solche
Höhepunkte wenigstens eines Theiles des Lagers meistentheils fin-
den. Als Grenzen des für das Lager ausgewählten Raumes denken
wir uns etwa westlich die Westseite der Eigelsteinstrasse, südlich
die Machabäerstrasse, östlich das Rheinufer, nördlich den Napoleoni-
schen Hafen. Römische Grab- und Weihesteine haben sich auf dem
Eigelsteine, in der Machabäerstrasse, auf dem Kunibertskloster ge-
funden, hinter der Kunibertskirche auch ein Stück Mosaikboden.
Freilich kein Stein, der auf die erste Kaiserzeit deutet, aus welcher
auch sonst im Bereiche von Köln ausser den Resten der Alteburg
sich nichts erhalten hat. Doch in der Nähe des westlichen Aus-
ganges der Strasse unter Kranenbäumen war einst der Eigelstein
vorhanden (Jahrb. XXVII, 42 ff.), von dem die westlich von der
Kranenbäumerstrasse stehende alte Eigelsteinpforte, die erst 1424
abgerissen wurde, ihren Namen erhielt, wie die meisten Thore in
Köln von nahe gelegenen Punkten benannt sind; so Wey er t hör
(vom Kloster Weyer), Hahnenthor vom Haue (Haine) vor der
Stadt, Ehrenthor, wohl Landthor (vgl. Jahrb. XXVII, 36 f.), Mar-
porte vom nahen Markte (Marktpforte), Severinsthor von der
Kirche Severin. Bekanntlich nannte man auffallende Römische Ueber-
reste von dem fabelhaften König Eigel an manchen Orten Deutsch-
lands Eigelstein, wie anderswo von Eigels Sohn Orendelstein,
Vgl. unser Winckelmannsprogramm von 1871 (Keller „Vicus Aure-
lii") S. 33—36. Die bestimmte Stelle, wo dieser Eigelstein gestan-
den, ist nicht nachzuweisen. Hätte 0. Hirschfeld Recht, auch
den Kölner Legionen ein Denkmal des Drusus mit entsprechender
Feier zuzuschreiben, so könnte man einen Rest desselben in diesem
Eigelstein sehen. Aber näher liegt es, darin eine Spur des Römer-
lagers zu vermuthen, und denken wir uns, dass er westlich von der
spätem Eigelsteinpforte gestanden, so dürfte man darin ein Ueber-
bleibsel der porta decumana oder der Westmauer des Lagers suchen.
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