Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 64
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H. Schaa ff hausen:

manen abstammen (Caesar bell. gall. 2, 4). Agrippa reeknete zu
Augustus Zeit das von Kelten bewohnte Rhaetium und Noricum mit
zu Germania. Das Gebiet beider Völker war nicht streng- ge-
schieden. Nach Caesar haben die Gallier als Volcae Tectosages
den fruchtbarsten Theil Germaniens um den Herkynischen Wald er-
obert und leben hier wie die Germanen, während die Gallier am
linken Rheinufer verweichlicht sind. Die erste Einwanderung fand
nach Livius um 600 v. Chr. unter Sigovesus statt, dem Bruder des
Bellovesus, der die Gallier nach Italien führte. Grimm hält aber
die Angaben Caesars von den Tektosagen, die deutsche Länder
zurückerobert haben sollen, für falsch. Alle Gallier hatten einmal
das ganze Donau- und Maingebiet inne, die hintersten Stämme, Bojer
und Helvetier, blieben zurück, bis auch sie dem Andrang erlagen;
die Bojer wichen aus Böhmen nach Baiern, die Helvetier vom Main
in die Schweiz. Der 100 Jahre ältere Caesar, der nach seiner
Persönlichkeit und weil er selbst im Lande der Gallier und Ger-
manen war, für eine zuverlässigere Quelle gehalten werden muss, als
Strabo, macht schon auf Unterschiede aufmerksam. Die Gallier sind
in Gaue und Gemeinden eingetheilt. Zu seiner Zeit streiten in Gal-
lien Aeduer und Sequancr um den Principat. Die Plebs wird fast
wie Sklaven behandelt, der Adel besteht aus Priestern, den Druiden
und Rittern. Dagegen besitzen die Germanen nur Gemeindeeigen-
thum; sie haben keinen ausgebildeten Götterglauben. Die Schwä-
cheren können von den Mächtigeren nicht unterdrückt werden. Die
Principes sprechen Recht, nicht die Priester. Auch sagt Caesar,
dass bei den Germanen keine so blutigen Gebräuche herrschten wie
bei den Galliern. Aus den bei Caesar erhaltenen Reden des Ario-
vist und des Divitiacus geht hervor, dass beide Völker sich heftig
bekriegten. Das beweist aber nichts gegen ihre Blutsverwandtschaft,
denn auch deutsche Stämme, Tenchterer und Sueven, Chatten und
Cherusker bekriegten sich. Die Remi rühmten sich bei Caesar ihrer
Tapferkeit gegen die ihnen doch stammverwandten Cimbrer und
Teutonen.

Wir fragen zunächst: Wie verhalten sich die Kelten zu den
Galliern, sind beide ein und dasselbe Volk?

Caesar unterschied in Gallien 3 Völker: Belgier, Aquitanier
und Gallier, von diesen sagt er, dass sie sich selbst Gelten nennen.
Er sagt: jene drei Völker sind durch Sprache und Einrichtungen
von einander verschieden.
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