Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten.

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die des mittleren und südlichen Galliens zu verstehen sind, die der
römischen Provinz Celtica, die später Narbonensis hiess und dass
ganz Nordfrankreich von germanischen Galliern, von Galatern be-
wohnt war. Mit Unrecht war der Name Keltoi auf alle Gallier be-
zogen worden. Jene streitbaren Gallier, welche im 4. Jahrh. vor
unserer Zeitrechnung auszogen, um das Jahr 393 in das römische
Gebiet einfielen und 280 Makedonien eroberten, nach Griechenland
zogen, Delphi plünderten und bis Kleinasien kamen, waren nicht
Kelten, sondern Galater, d. h. den Germanen nahverwandte Gallier.

Eratosthenes schrieb über die Geschichte der Gallier in
Kleinasien 40 Bücher Galatica, nicht Celtica. Der Name Galater
kann von gala, Milch, kommen, die Römer sprechen von den colla
lactea, den milchweissen Hälsen der Gallier. Virgil sagt von ihnen:
Lactea colla auro innectuntur, Aeneis VIII, 657. Timaeus nennt
die Gallier, welche in Makedonien einfielen, immer Galater.

Die Verallgemeinerung des Celtennamens ist, wie v. Becker
zeigt, durch Herodot veranlasst, der die Donau im Lande der
Gelten entspringen lässt und die Gelten an den Pyrenäen mit den
Völkern an den Quellen der Donau verwechselt hat. Er sagt
IV, 49: Der Istros strömt durch ganz Europa von den Kelten an,
dem äussersten Volke in Europa, nach dem Sonnenuntergang zu.
Auch Aristoteles lässt die Donau auf den Pyrenäen entspringen.
Diese Unwissenheit des Herodot rügt auch Bertrand, aber sie ändert
nichts daran, dass er Kelten in Spanien kennt, die sich mit Iberern ver-
mischten. Neben Diodor und Strabo ist Polybius, der 146 v. Chr.
lebte, ein wichtiger Schriftsteller in Bezug auf die Gallier. Die Donau-
gallier heissen bei ihm nie Celten, auch die Allobriger und Bojer
werden von ihm Galater genannt. Er schildert V, 28 die Gallier
als weiss und blond und sagt, dass sie einen Schnurrbart tragen, er
beschreibt ihre Lanze mit langer Spitze, das ist der Angon der Ger-
manen. Bedeutsam ist auch die Stelle bei Strabo VII 1, 2: „die
Römer gaben den Germanen den rechten Namen, sie nannten sie
echte Gallier, germaiios Galatos". Diese Erklärung wird aber heute
nicht mehr für die richtige angesehen. Man hält den Namen für
deutsch und er bedeutet Speermäimer.

Bisher hat man vorzugsweise die Kriegszüge der Gallier im 4.
und 3. Jahrh. unserer Zeitrechnung in's Auge gefasst, auf denen sie
von Gallien aus bis nach Kleinasien zogen. Aber wann sind sie aus
Asien nach Westeuropa gelangt? Wir haben von ihrer Anwesen-
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