Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten.

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nachherigen Wohnsitze. Sidon heisst bei Moses der erstgeborene Sohn
Kanaans. Schon um 1500 wurden unter Agenor Colonien nach Klein-
asien, Greta, Libyen und Griechenland ausgesendet. Bei der Nieder-
lassung der Juden in Palästina um 1440 heisst Sidon die grosse Stadt,
bei Homer ist es vor allen Städten der Erde berühmt wegen seiner
künstlerischen Arbeiten. Schon um 1300 war Tyrus, welches nach
Josephus um 1184 gegründet war, eine reiche und blühende Stadt,
mächtig durch Handel und Schifffahrt. Gades, das heutige Cadiz,
und Carthago waren tyrische Colonien. Im 12. Jahrh. legten die
Phönizier Colonien in Afrika an, Utika ward um 1170 gestiftet und
zu Salomons Zeit war die Fahrt nach Tarschisch, der Südwestküste
Spaniens, schon ganz gewöhnlich. Massiliax) wurde erst um 600
v. Chr. von Phocäern gegründet.

Es fragt sich ferner, ob wir den Kelten eine eigentümliche
Kunstbildung zuschreiben können.

Zu den ältesten Münzen gehören die keltischen. Die soge-
nannten Regenbogenschüsselchen sind den Kelten eigenthüinlich
und können nicht den später verbreiteten Nachahmungen griechi-
scher und römischer Münzen durch die Gallier gleichgestellt werden.
Sie deuten in ihrem Gepräge mit dem Triquetrum auf Kleinasien,
wo es, wie auf Thongeräthen von Troja, so auf lykischen Münzen
vorkommt. Die 3 Doppelkreise und 5 Kugeln hat Streber in glück-
licher Weise auf den Gestirndienst der asiatischen Völker bezogen.
Das Gewicht der keltischen Münzen deutet in der bestimmtesten
Weise auf den asiatischen Ursprung der keltischen Cultur 2). Das
Maximum des Gewichtes der Regenbogenschüsselchen = 7,83 gr lässt
kaum einen Zweifel, dass diese Münzen dem System der karthagi-
schen Mine von 780—784 gr angehören. Es giebt karthagische
Grossstücke von 23.40 gr und kleinere Nominalen von 7.80 und
3.90 gr. Dasselbe Gewicht ist in Lydien naclnveisbar als Gebrauchs-
gewicht-, eine Doppelmine von 1560 gr ist in Athen gefunden. Zu
diesem System gehören ferner gewisse etruskische Münzen im Be-
trage von 7.85 und höher. Es giebt auch ein ältestes römisches
Ass-Stück von 390.13. Der römische Aureus aus der späteren Re-
gierungszeit des Augustus wog 7.80 gr und die Norm des römischen

1) Dederich, Rhein. Mus. IV 1836. Heft 1.

2) C. F. Lehmann: Altbabylonisches Maass und Gewicht und deren
Wanderung. Berl. Z. f. Ethn. 1889 Sitzb. S. 245. Rh. Jahrb. LXXXVI, 1888 S.64,
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