Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. Schaafhausen:

Silberdenars vor Nero war 3.90 gr. Nissen sagt, Griech. u. Köm.
Metrol. 1886 S. 707, dass der Betrag der karthagischen Drachme
= 3.90 gr. von den Römern nach längerem Schwanken seit dem
Ende des Hannibalisehen Krieges für ihren Denar herüber genommen
worden sei. Wenn aber Lehmann sagt, dass das auf den Regen-
bogenschüsselchen häufig erscheinende Triquetrum, welches auf einer
pnnischen Stele nachweisbar ist (Gesenius Monum. phoen. p. 205)
und noch heute im Wappen der Stadt Palermo figurire, als Bestäti-
gung der ursprünglich pnnischen Herkunft desselben angesehen wer-
den könne, so vergisst er, dass es neben dem Hackenkreuz schon
auf den Funden von Troja und auf lykischen Münzen erscheint, die
auch napfförmig sind. Es kann nicht auffallen, dass es in Palermo
sich erhalten hat, weil es bekanntlich schon im Alterthum auch als
Symbol des dreispitzigen Siciliens galt.

Ein sehr häutiges Geräthe der Bronzezeit, ein Beil, das aber
auch Waffe war, hat in Frankreich den Namen Kelt erhalten, weil
man es den Kelten zuschrieb. Das Wort Celtis, Meissel kommt im
Altertimm nicht vor, sondern soll nach von Becker, Archiv f.
Anthrop. S. 139 auf einem Schreibfehler beruhen, indem in einer
Abschrift der Vulgata aus dem 15. Jahrh. an einer Stelle, wo von
Werkzeugen die Rede ist, ein Altschreiber celte statt certe ge-
schrieben hat. Die Kelten haben diesen Kelt nicht erfunden, sie
haben ihn aber verbreitet, er findet sich in Scandinavien, Eng-
land, Deutschland, Frankreich, Spanien, er fehlt bei Griechen
und Römern, er ist nur da, wohin Kelten gekommen sind. Der Ur-
sprung dieses Geräthes ist in Aegypten zu suchen. Schwein-
f u r t h hat dasselbe in Eisen als das gewöhnliche Beil in Abyssinien
gefunden. Es sind deren in ihrer eigentümlichen Fassung mit einem
im Winkel gebogenen Stiel von Montelius aus Aegypten abgebildet
L'Anthropologie, Paris 1890 T. I, 1. PI. IV—V. Für den fast aus-
schliesslichen Gebrauch des Keltes als Waffe, den wir erst aus den oben
angeführten bildlichen Darstellungen erfahren haben, spricht, wie es
scheint, der Umstand, den S z o m b a t h y anführt, indem er sagt,
in den mehr als 1000 Gräbern der Hallstatt-Periode in Krain ist
bis jetzt neben etwa 200 Hohl- und Lappencelten nur ein einziges
Schwert gefunden worden. Doch wird man zugeben müssen, dass
der Kelt in diesen Fällen nicht als Waffe, sondern als Werkzeug den
Todten mitgegeben sein kann. Auch Naue sagt von den Grabfunden
Oberbayerns, dass sie mehr auf friedliche Bewohner, die den Acker
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