Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. Schaafhausen:

Gürtelblech von Watsch. Damit ist die Ansicht Beckers1) wider-
legt, der 1878 sagte, Streitmcissel habe es nie gegeben. Die Män-
ner mit dem breitrandigen Hute kommen auf einem babylonischen
Cylinder des Grazer Museums vor 2). So etwas wurde von gallischen
und germanischen Völkern nie fertig gebracht. Die keltische Kunst-
bildung ist aber, nachdem Römer und Germanen diese Länder besetzt
haben, gänzlich zu Grunde gegangen. Dass die Kelten von Hallstatt
mit der griechischen Cultur von Olympia in naher Beziehung standen,
haben die durch das deutsche Reich hier veranstalteten Grabungen
gezeigt3). In den tieferen Schichten der Altis, des heiligen Haines,
fanden sich Weihgeschenke der vorgeschichtlichen Zeit4), darunter
Bronzebleche mit linearen geometrischen Verzierungen und mit Thier-
figuren wie in Hallstatt. Schon S o p h u s Müller vermisste die
Berührungen von Olympia mit der europäischen Bronzezeit, es fehlen
dort die Paalstäbe und Hohlkelte, die konischen Situlen, die cylin-
drischen gerippten Eimer, aber in allen Schichten findet sich das
Eisen. Die Griechen von Mykene und Tiryns waren von denen Ho-
mers verschieden, dort wurden die Leichen bestattet, bei Homer
wurden sie verbrannt. Dieser ertheilt der phönizischen Kunst den
höchsten Preis, während in Mykene sich asiatischer Einiiuss bemerk-
lich macht. Hörn es denkt an die Skythen als Lehrmeister der
Griechen im Schmieden des Eisens. Die Chalyber am Pontus wer-
den als Erfinder desselben genannt und schon in das Jahr 1200
v. Chr. gesetzt. Die Funde von Koban im Kaukasus haben nach
ihm Aehnlichkeit sowohl mit denen von Hallstatt wie mit denen
von Olympia. Auch bei Gurina5) in Kärnthen giebt es Spuren
keltischer Cultur. Es kommen keltische Silberringe vor. Meyer
setzt die dort gemachten Funde in das 4. Jahrb. v. Chr. Eine In-
schrift wird den Venctern, einem illyrischen Stamme zugeschrieben.
Hier scheint ein illyrischer Stamm von Kelten umgeben gewohnt zu
haben. Strabo sagt, dass unter den Norikern Illyrier wohnten. In
der römisch-griechischen Kunst der ersten römischen Kaiserzeit fehlt

1) Archiv f. Anthrop. X, 1878 S. 139.

2) Fischer u. Wiedemann, Babylon. Talismane aus dem hist. Mu-
seum in Graz. Mit 3 Tafeln. Stuttgart 1881.

3) Vgl. M. Hörn es, Die Bronzefuude von Olympia und der Anfang
der Hallstatt-Cultur. Ausland 1891 No. 15.

4) E. Curtius u. Fr. Adler, Olympia IV 1890.

5) Rh. Jahrb. LXXXL 1886 S. 169.
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