Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten,

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es nicht an Anklängen an die Vorgeschichte der Kelten, die be-
weisen, dass diesen die ältere griechische Cultur nicht fremd war.
Furtwängler sagt in dieser Festschrift S. 34 bei Beschreibung
der Mehrumer Bronzeeimer, dass die Form derselben mit dem ein-
gezogenen Halse sowohl schon in den altitalischen Funden als in den
vorrömischen aus der Haiistatter und der La Tene Periode in Mittel-
europa erseheint und ihr Auftreten in der römischen Kaiserzeit
nur das Wiederaufleben eines alten nichtgriechischen Typus war.
P r i c h a r d sagt aber x) mit Becht, da kein alter Schriftsteller be-
richte, dass die Alpenvölker iUiswanderer aus Gallien seien, so
müsse man sehliessen, dass die ursprünglichen Niederlassungen der
celtischen Rasse die ganze Gebirgskette im Norden von Italien bis
an das adriatische Meer umfassten. Man kann auch nicht nach-
weisen, dass die Bojer aus Gallien und weiter westlich als von der
Grenze der Helvetier herkamen, also sind auch sie die ursprünglichen
BeAvohner der Donauländer bis nach Böhmen. Dahin können sie
aber nur aus dem Osten in vorgeschichtlicher Zeit eingewandert sein.

Einer unbekannten Zeit gehören auch die den Kelten zuge-
schriebenen megalithischen Denkmale in Salisbury und der Bretagne
an, sowie die verglasten Burgen Schottlands, die in Deutschland
nur an vereinzelten Stellen gefunden wurdens). Die absichtlich
durch Feuer zusammen geschmolzenen Mauern waren von Canälen
durchzogen, die mit Kohlen gefüllt waren, also ein Vorbild unserer
Ziegelöfen. Die Alten kannten in vorrömischer Zeit das Ziegel-
brennen nicht. Die Mauern Babylons sind aus an der Sonne ge-
brannten Ziegeln gebaut. Die Stelle bei Moses I, 11. 3 „wohlan,
lasset uns Ziegel streichen und brennen" kann sieh nur auf den
Sonnenbrand beziehen. Die der römischen Kunst vorausgehenden,
nur nach den Fundorten genannten Perioden von Hallstatt und La
Teno müssen den Kelten zugeschrieben werden.

In letzter Zeit hat man in Deutschland besonders schön und bunt
verzierte Thongefässe gefunden, so in Baden 3) und Bayern 4). Die ger-

1) a. a. 0. S. 101.

2) Anthrop.-Yers. in Regensbttrg 1881 S. 101 und Verh. d. naturhist.
Vereins, Bonn 1882, Sitzb. S. 7.

3) E. Wagner, Hügelgräber und Urnenfriedhöfe in Baden. Karls-
ruhe 1885.

4) J. Naue, Die Hügelgraber zwischen Ammer- und Staffelsee. Stutt-
gart 1887. Tai'. 51-54. Eh. Jahrb. LXXXV, 1888 S. 134.
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