Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten.

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gleichen denen von Este und der Certosa von Bologna. Das myke-
nische Triquetrum, das auf griechischen und etruskischcn Vasen des
4. und 5. Jahrh. v. Chr. erscheint, fehlt nicht auf einem bronzenen
Trinkgefäss von Elveden in Essex und findet sich auf den keltischen
Münzen Galliens und Illyriens. Evans glaubt, dass die gleichen
Münzen, Urnen und Situlae einer Einwanderung gallischer Stämme
aus Belgien entsprechen, welche auch die Verbrennung der Todten
eingeführt hat. Caesar sagt, dass der König der Atrebaten, Commius, um
die Mitte des 1. Jahrb. einen grossen Theil von Britannien beherrscht
habe. In dem Grabhügel von Arras, in Yorkshire, ist ein Krieger
mit seinem Wagen und den Pferden bestattet wie in den gleichen
Gräbern der Champagne und des Rheinlandes, die nach den Bei-
gaben in das 3. bis 5. Jahrh. gesetzt werden. Auch in den kelti-
schen Gräbern von Marzabotto aus dem 5. Jahrh. v. Chr. herrscht
die Bestattung, erst im 3. Jahrh. beginnt die Verbrennung. Evans
betrachtet die gemalten Vasen von Baden, Würtemberg und Bayern
.als der Hallstattgruppe angehörig und als die glänzendste Leistung
der keramischen Kunst der Kelten, und vermuthet, dass auch die
spät keltische Kunst damit noch einen Zusammenhang hatte. Nur
die auf Taf. IX Fig. 8 abgebildete Urne stimmt mit jenen in Deutsch-
land gefundenen vollständig überein.

Gegenüber solchen Erzeugnissen, die mit mehr oder weniger
Sicherheit den Kelten zugeschrieben werden, giebt es ein Kunstge-
räthe, welches den Galliern eigenthümlich ist, es ist der gedrehte
Halsring, der Torques. Auf zahlreichen Darstellungen der Gallier
aus römischer oder griechischer Zeit, die sich auf die Zeit ihrer
Wanderung nach dem Osten beziehen, findet er sich. Auf dem be-
rühmten Mosaikgemälde aus Pompeji im Vatican, das man für die
Darstellung einer Schlacht Alexanders des Grossen gegen die Perser
am Issos oder bei Arbela gehalten hat das aber nach Bergk 2)
die Schlacht der Griechen gegen die Gallier bei Delphi im J. 279 v. Chr.
vorstellt, trägt ein stürzender Gallier und ein Gefallener, ein Krieger
auf dem Wagen und einer zu Pferde, den Torques um den Hals.
Bei zweien hängt die Kette bis auf die Brust, bei zweien ist sie
vorn offen, aber auch weiter als ein blosser Halsring. Diese Deu-
tung Bergk's ist sehr unwahrscheinlich. In allen Darstellungen der
Kämpfe gegen die Kelten und Galater sind die Gallier nackt oder

1) Vgl. das farbige Bild bei Overbeck: Pompeji. Leipz. 1856. S. 425.

2) Verh. d. naturh. V. Bonn, 1877 S. 35 u, Rh. Jahrb. LXII, 1878 S. 168.
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