Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. Schaaffhausen:

mit Hosen dargestellt, aber sie tragen keine bunten Gewänder und
haben den Kopf nicht in Tücher gehüllt. Diese Kleidung- passt für
Orientalen. Auch die Gesichtszüge sind nicht die der Gallier, ebenso
sind die gewundenen Halsketten von dem Torques verschieden. Als
die Gallier in Italien um 225 v. Chr. einfielen, kämpften die Gae-
saten nackt, Polyb. II, 28. 8. Als Marcellus die Gallier 196 bei Como
besiegte, erbeutete er viele goldne Hals- und Armringe, ein sehr
schwerer wurde im Jupitertempel auf dem Capitol aufgehängt, Liv.
XXXIII, 36.

Die Angaben der alten Schriftsteller über den Torques der
Gallier und die Darstellung desselben auf den Kunstdenkmälern des
Alterthums sind, trotz der Einwände von Mohnike Rh. Jahrb. LXII,
1878 S. 158, äusserst zahlreich x). Der römische Senat schenkte dem
Bruder des Gallierkönigs Cincibilus, der als Gesandter nach Rom
kam, zwei goldne Torques für seinen Bruder, Liv. XLIII, 5. Noch
einmal schenkte der Senat einem gallischen Fürsten einen solchen
Ring, Liv. XLIV, 14. rsach Quintilian schenkten die Gallier dem
Augustus einen Goldring, der 100 Pfd. schwer war. Nibby hat
den sterbenden Krieger vom Capitol schon 1821 als Gallier be-
zeichnet, ebenso später Visconti und Longperier, Bullet, archeol.
de rAthenaeum franc. Juin 1856. Auch in der Gruppe Aria und
Paetus der Villa Ludovisi trägt der Gallier einen Halsring, der unter
den Falten des Gewandes erscheint. Beide Bildwerke werden der
Schule von Pergamum zugeschrieben und als Theile des Weihge-
schenkes des Königs Attalus nach dem Siege über die Kelten an-
gesehen. Eine Bronzebüste der Sammlung Danicourt, die viel-
leicht den Vincetorix vorstellt, trägt einen Halsring, wie auch die
Köpfe auf zwei gallischen Silbermünzen. Dasselbe zeigt ein Marmör-
kopf im Museum von Bologna 2). Die Gallier auf der Camee des
Augustus in Wien tragen den Torques, der vorn geschlossen ist
und etwas herabhängt3). Auf einem Basrelief aus der Stadtmauer
von Narbonne ist ein gefallener Gallier dargestellt, der einem an-
dern den Torques vom Halse raubt. Die Asse von Arminium (Ri-
mini), welches die sennonisehen Gallier um 524 v. Chr. eroberten
und bis 268 inne hatten, zeigen einen Krieger mit dem Torques,

1) J. du Baye, Le Torques. Caen 1886, und Salomen Reinach,
Les Gaulois dans l'art antique. Revue archeolog'ique, Paris 1889.

2) Gazette archeol. 1885.

3) Revue archeol. 1880 p. 65 PI. XIII et XIV.
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