Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten. 77

wie er sich auf zahlreichen gallischen Münzen findet. Weil man
den Torques in Gräbern ohne Waffen fand, wollte man ihn auch
für einen Schmuck der Weiber halten. Dagegen sprechen alle Ueber-
lieferungen und die Darstellungen auf Denkmälern. Doch wird der
Fund eines Torques bei einer Gallierin neuerdings bestätigtx). Auf
der grossen Camce des Augustus im k. k. Cabinet zu Wien sind die
Torques der gefangenen Gallier vorn geschlossen und etwas herab-
hängend. Zweimal findet sich der Torques auf dem Sarkophag der
Villa Pamfili in Rom. Hier ist auch eine Waffentrophäe mit dem
Scalp eines Galliers gekrönt. Auf einem Basrelief des Are d'Orange
sind alle abgeschnittenen Köpfe mit Ausnahme eines einzigen ganz
kahl2). Die Sitte des Scalpirens herrschte, wie wir schliessen
müssen, bei den Römern wie bei den Galliern und noch heute bei
den Wilden. Strabo erzählt nach Eratosthenes von den Belgiern,
dass sie den Kopf der Feinde als Trophäe aufhängen. Plinius
VIT, 22 berichtet von Kannibalen nördlich vom Borysthenes (Dnie-
per), dass sie die Kopfhaut der Erschlagenen mit den Haaren als
Mantel vor der Brust tragen. Auch auf dem berühmten 1830 in
einem Weinberge vor Rom gefundenen Sarkophage Ammendola, jetzt
im Museum des Capitols 3), befinden sich Siegestrophäen mit Helmen,
Schildern, Rüstungen und dein Skalp der Gefallenen. Vier nackte
und ein mit Hosen und Schuhen bekleideter Gallier tragen den Tor-
ques, der mehr oder weniger deutlich vorn einen Verschluss hat.
Diodor sagt, der Torques sei ein Zeichen der Vornehmheit bei den
Kelten gewesen, später war er das Abzeichen jedes gallischen Krie-
gers. Der Sarkophag wurde nach dem Finder so genannt, man
glaubt, er stelle die Schlacht von Telamon vor, die 225 v. Chr.
stattfand. Die Torques haben mehr oder Avcniger deutlich vorn
einen Verschluss. Der des sterbenden Galliers endigt vorn in zwei
Knöpfen, Avie der reich verzierte goldne Halsring von Waldalgesheim
im Bonner Museum. Die dargestellten nackten Gallier tragen Bart
und Schnurrbart. In vielen andern Darstellungen haben sie nur den
Schnurrbart. Darin glichen sie den Britten. Caesar sagt von die-
sen (bell. Gall. V, 14): omni parte corporis rasa, praeter Caput et
labrum superius. Polybius erzählt II, 28, 8, dass in der Schlacht
von Telamon die Gaesaten, um ihren Muth zu zeigen, die Kleider

1) Revue archeol. 1888 I p. 19.

2) Lenormant, Mem. sur l'arc d'örange 1857 p. 31.

3) Revue archeol. 1889 PL I, Blackie, Annali del Inst. 1837, p. 307.
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