Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. S c h a a ff h a u s e n:

stimmende Schädelform besass, später Unterschiede in derselben be-
obachten lässt.

Das Volk, welches das Steindenkmal von Stonehenge in Eng-
land errichtete, wird, wenn es überhaupt ein keltisches war, für die
älteste keltische Einwanderung in Europa gehalten werden dürfen,
weil es das fernste Land von Asien aus erreicht hat. Es waren
aber wohl sicher Kelten die, welche die verglasten Burgen in Schott-
land gebaut haben. Diese nordischen Kelten werden wohl nicht
dieselbe Körperbildung gehabt haben, wie jene, welche in den öster-
reichischen Alpenländern sich angesiedelt hatten und nach griechi-
schem Muster schön verzierte Bronzeeimer nnd Gürtelbleche fertig-
ten oder in Hallstatt Eisengeräthe arbeiteten oder in Oberbayern
und Baden farbig gemalte Thongefässc zu machen wussten. Ganz
verschieden von diesen friedlichen und kunstgeübten Ansiedlern wer-
den die gallischen Eroberer von Rom und Griechenland ausgesehen
haben. Die vorrömischen gallischen Gräber, in denen mit dem
Krieger oft der Streitwagen bestattet wurde J), und solche ans der
Römerzeit mögen zuerst mit den uns erhaltenen bildlichen Darstel-
lungen den Typus der gallischen Gesichts- und Schädelbildung fest-
gestellt haben.

Die älteste Beschreibung eines den Kelten verwandten Schä-
dels hat wohl Blumenbach in seinem Batavus genuhms 2) ge-
liefert, über dessen Ursprung sich indessen so wenig sagen lässt wie
über den des Neanderthalers, den Prunerbey seiner langen Form
wegen auch einen Kelten genannt hat3).

Bory de St. Vincent4) sagt von der keltischen Rasse, dass
die Stirne nach den Schläfen zurücktrete und dass die Nase nicht
gerade, sondern von der Stirne durch einen mehr oder weniger tie-
fen Eindruck geschieden sei; auch führt er die Beobachtung La-
tour d'Auvergne's an, eine besondere Eigentümlichkeit der kel-
tischen Urrasse sei die ausserordentliche Dicke des Schädels.

Huschke bildet in seinem Werke: Schädel, Hirn und Seele
1854 einen in Jena gefundenen langen Schädel mit mässig vor-
springenden Brauenhöckern und geradem Gebiss als Cimbernschädel
ab. Er ist 189 mm lang, 132 breit und ebenso hoch, ein anderer

1) Rhein. Jahrb. LXXXIX 1890, S. 241.

2) Decades Cran. div. gent. Gött. 1828 No. LXTII.

3) Schaafhausen, Der Neanderthaler Fund. Bonn 1888.

4) L'homme, Paris 1836. Deutsch, Weimar 1837.
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