Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 84
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H. Schaaffhattsen:

Britten in so abschreckender Weise, dass P r i e h a r d meint, sie
hätten darum den Germanen unterliegen müssen. Die Franzosen
hörten es nicht gern, dass die Franken, welche Gallien eroberten,
Deutsche gewesen sein sollten. Als Frenet 1714 in der Aka-
demie der Inschriften zu Paris vortrug-, dass die Franken ein im
3. Jahrb. geschlossener Bund von niedergermanischen Völkern ge-
wesen sei, der die Gallier besiegt habe, wurde er par lettre de ca-
chet verhaftet und in die Bastillc gesperrt, Leibnitz, selbst Vol-
taire vertheidigten den deutschen Ursprung der Franken.

Die Unterschiede der alten stammverwandten Völker bildeten sich
erst durch die Kultur mehr und mehr aus, deren Einfluss sie zu ver-
schiedenen Zeiten und in verschiedenem Maasse erfuhren. Holtz-
mann1) sagt desshalb mit Unrecht: Das Unverzeihlichste, was Ta-
citus geschrieben, ist der Satz, Agric. 11 „Britanni manent, quales
Galli fuerunt". Strabo macht dieselbe Bemerkung, wenn er die
Germanen mit den Galliern vergleicht. Die Gallier kamen in der
Nähe des Mittelländischen Meeres früher mit der Kultur in Berüh-
rung als Britten und Germanen in ihren Ländern. Uebereinstiminend
mit Tacitus sagt Strabo IV, 4: Jetzt sind alle Kelten von den Rö-
mern unterjocht; wir nehmen die Schilderung der Sitten aus den
alten Zeiten her und aus den noch jetzt bei den Germanen bestehen-
den Gebräuchen. Denn soAvohl durch Natur als Verfassung sind
beide einander ähnlich und verwandt, da sie ein benachbartes, nur
durch den Rhein geschiedenes und sehr viele Aehnlichkeit zeigendes
Land bewohnen, nur dass Germanien nördlicher liegt, Zahlreich
sind die Zeugnisse ursprünglicher Rohheit bei den Galliern wie den
Germanen und oft finden wir dem entsprechend die rohen Schädel
gerade da, wo die grösste Wildheit geherrscht hat, Der Batavus
genuinus wurde auf der Insel Marken gefunden, die Insel Walchern
wird wegen der Rohheit ihrer Bewohner in einer Urkunde des
9. Jahrb. insula multum infamis genannt. Auch Caesar lässt auf den
Inseln der Nordsee wilde Völker leben. Er berichtet B. G. VI, 19,
von Menschenopfern bei Begräbnissen der Gallier vor seiner Zeit,
und dass ein Kranker oder, Aver in Lebensgefahr schwebte, für sich
einen Menschen opferte, ebend. 16. Nach ihm und nach Strabo
IV, 4. 5 verbrannten die Gallier in einem grossen Weidengenechte
Menschen und Thiere. Man glaubt, dass der in Paris im vorigen

1) Kelten und Germanen, Stuttgart 1851.
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