Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 89
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Die Kelten.

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ceplialen als die einheimische Bevölkerung' ansehen, die andern als
die Eroberer. Wenn er behauptet, wir könnten den Reihengräber-
typus doch nur bis zu den Franken zurück verfolgen, so ist darauf
zu erwidern, dass derselbe nicht erst in den Reihengräbern erscheint,
sondern dass er sich dem aus viel altern Gräbern gewonnenen ger-
manischen Typus, wie oben mitgetheilt ist, anschliesst, dessen Haupt-
merkmale grosse Schädellänge, vorspringende Augenbrauenhöcker,
gerades Gebiss und abgesetzte Hinterhauptschuppe sind. Wir können
Virchow nicht beipflichten, wenn er sagt, dass die zunehmende Breite
des Vorderkopfes, und zwar der Schläfengegend, die Wirkung der Kul-
tur sei, denn unsere Erfahrung über die grössere Schädelbreite der
Kulturrassen gründet sich auf unsere Messungen der grössten Breite,
die am Hinterkopfe sich findet. An dieser zunehmenden Breite
nimmt freilich auch die Stirngegend Theil. Als ich in jener Sitzung,
Ber. S. 81, über den germanischen Typus und über ältere brachy-
cephale Schädel sprach und darauf aufmerksam machte, dass ein
Hauptbestandtheil des unter dem Namen Franken später begründeten
Völkerbundes die Gothen gewesen seien und mir auf meiner Reise
in Schweden die Aelmlichkeit des Gesichts- und Körperbildung in
manchen Gegenden mit den Rheinländern aufgefallen sei, bemerkte
Virchow: „Schaaffhausen sagt, wir sind Gothen, aber ich beob-
achte soeben, dass er ein ausgesprochener Brachycephale ist". Ich
erwiderte: die langen Schädel der Franken sind verschwunden, weil
die Kultur dieselben breit gemacht hat. Der heutige Schweden-
schädel erinnert sehr an den unserer Reihengräber, aber auch er
ist breiter geworden. Nicht unwichtig erscheint C a 1 o r i 's Be-
obachtung in Italien, dass die Gehirne der Brachycephalen besser
ausgebildet erscheinen, als die der Dolichocephalen. Virchow hält
es für sicherer, einen Schädel nach dem archäologisch gutbestimm-
ten Grabe zu benennen, als die Bestimmung des Grabes aus dem
Schädel herzuleiten. Das letzte ist aber die Aufgabe der Kranio-
logie. Das erste Verfahren kann zu Irrthümern führen, denn die
Beigaben haben zur Schädelbildung gar keine Beziehung, wenn
sie nicht im Lande gefertigte, sondern von auswärts eingeführte
sind, was nicht selten, z. B. im scandinavischen Norden der Fall
war. Es ist also nur in beschränktem Sinne wahr, wenn er in
einem Lande, wo ein grösserer Völkerverkehr herrschte und das
Drängen und Treiben der Stämme es unmöglich macht, zu sagen,
wo die einzelnen Stämme hingekommen sind, nur die archäologi-
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