Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Die Kelten.

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erhalten hatte, ein bisher einziger Fund. Vom Schädel waren nur Bruch-
stücke erhalten. Nach der Inschrift im Kölner Museum war es ein Haupt-
mann der Kaiserlichen Leibgarde, in der bekanntlich Germanen dienten.

Einen bei Olmütz in Mähren mit Stein- und Bronzegeräthen
und verbrannten Getreidekörnern im Torf gefundenen SchädelJ)
kann man als altgermanisch oder keltisch bezeichnen. Er hat eine
Capacität von 1587 ccm, ist 187 mm lang, 152 breit, 138 hoch,
sein Index 80.1. Er ist etwas kalmförmig, hat einen Fortsatz der
Schläfenschuppe zum Stirnbein, und mehrwurzelige obere Praemo-
laren. Auch ein von mir beschriebener BajuvaremSchädel2) aus
einem oberbayrischen Reihengrabe, der 202 mm lang, 148 breit und
140 hoch ist, also einen Index von 73.9 hat, kann ein Kelte oder
Germane sein. Naue setzt diese Gräber in die ältere und jüngere
Hallstattperiode. Die Capacität dieses Schädels ist 1650 ccm.

Höchst auffallend und unerklärlich ist, dass viele der Steinzeit
angehörige Schädel mit den rohen Formen späterer Germanenschä-
del eine Uebereinstimmung der Form zeigen; sollten sie schon dem-
selben Volke angehören, das wir später als Germanen und Kelten
bezeichnen und das vielleicht schon in ältester Zeit in wiederholten
Zügen aus Asien nach Europa gewandert ist? Vielleicht darf man
mit ihnen die auf ägyptischen Bildern dargestellten blonden Men-
schen mit weisser Haut, hellem Haar und blauen Augen vergleichen.
Auch die grossen Schädel, die Virchow unter den Friesen fand,
die später unter den Franken wieder erscheinen, begegnen uns schon
in Cromagnon mit 1590, in Steeten mit 1410, in Winaric mit 1575,
in Erbenheim mit 1620 ccm Rauminhalt.

Schädel, die älter sind als 600 Jahre v. Chr., können wir
nicht mit solcher Sicherheit als Kelten bezeichnen, wie die, welche
mit Geräthen eigenthümlicher Kunstfertigkeit oder gar mit Münzen
gefunden werden. Die ersten Nachrichten über ihre Wohnsitze giebt
uns erst Herodot, 484—408. Sie können aber schon ein Jahr-
tausend früher viele dieser Wohnsitze inne gehabt haben und von
keinem andern Volke, welches West- und Südeuropa vor den Indo-
germanen bewohnt haben soll, haben wir Spuren, als von einem
lappischen. Wenn aber ältere Schädel diesem mongolischen Typus
fremd sind, so dürfen wir sie für die ältesten Indogermanen halten.

1) Verh. d. naturhist. Vereins, Bonn 1865, Sitzb. S. 62.

2) Verh. d. naturhist. Vereins, Bonn 1889, Sitzb. S. 21.
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