Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. Schaaffhausen:

orat. 2, 66, stellte das scutum Cimbricum mit ausgereckter Zunge
und geschminkten Backen einen Gallier vor.

Suetonius sagt, Caligula 47, dass gefangene Gallier die deut-
sche Sprache erlernen mussten, um im Triumphe für Germanen zu
gelten. Also war um diese Zeit doch die Sprache der Gallier und
Germanen verschieden. Beide werden sich wie verschiedene Mund-
arten zu einander verhalten haben. Auch Casars Angabe über die
Verschiedenheit der keltischen und belgischen Sprache kann sich
nur auf einen Unterschied der Mundart beziehen. Tacitus sagt auch,
es bestehe keine grosse Verschiedenheit zwischen der Sprache der
Gallier und Briten, nec sermo multum diversus. P r i c h a r d hat
dieselben keltischen Namen in Gallien, Britannien, Belgien und
Deutschland nachgewiesen. Dieselben sind nach ihm mehr im Wäl-
schen als im Erse wieder zu erkennen. Dies ist wahrscheinlich da-
durch zu erklären, dass die Irländer aus Spanien gekommen sind.
O'Connor meint, die Bewohner von Spanien seien nach Irland
ausgewandert, als sie von den Karthagern und Römern bedrängt
wurden. Sie müssen die keltische Sprache von dort mitgebracht
haben. Man kann annehmen, dass das Altkeltische sich im Gaeli-
schen der Bergschotten und im Erse, das Celto-Germanische der
Belger und Cimbern sich in Wales, Cornwallis und der Bretagne
erhalten hat. Erst im 3. Jahrh. u. Z. werden die Irländer Scoti ge-
nannt und diese sollen ans Spanien gekommen sein und sich nach
ihrem Führer Milesier genannt haben. Nach Ptolemäus bewohnten
die keltischen Caledonier nur den nordwestlichen Theil Schottlands,
ihr Name hat sich in dem der heutigen Gaelen oder Bergschotten
erhalten. Seit dem 4. Jahrh. nannten sie sich Pictcn. Schon Ta-
citus vermuthete, dass die rothhaarigen Caledonier aus Deutschland
stammen, was Z e u s s ohne Grund bezweifelt, und die dunkeln Be-
wohner von Wales aus Spanien. Er nennt sie Siluren und führt
ihr krauses Haar an. Mit Unrecht hält P r i c h a r d mit Dio und
Herodian die Caledonier nicht für Germanen, sondern zählt sie zu
den Britten, weil sie nackt gehen und Weibergemeinschaft haben.
Die stets Aviederholte Angabe, Hieronymus habe in Frankreich Scoti
gesehen, welche Menschenfleisch assen, beruht auf einer falschen
Auslegung der betreffenden Stelle, in der von misshandelten Thieren,
nicht von Menschen die Rede ist. Nach Prichard werden schon
nach der Besitznahme des Landes durch die Römer in Caledonien
Picten und Scoten erwähnt. Er glaubt, nach dem Zeugniss des
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