Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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H. Schaäff hausen:

Städte mit Mauern zu bauen. Auch die oppida und vici der Hel-
vetier waren zu Cäsar's Zeit keine Städte, sondern Holzbauten mit
Umwallungen, die leicht zu erobern waren, und von den Insassen
verbrannt wurden, um einen andern Wohnort aufzusuchen.

Tin keltischen Gallien war durch die lingua romana rustica im
3. bis 5. Jahrb. u. Z. das Keltische noch nicht ganz verdrängt. Im
Gebiete der Garonne wurde im 5. Jahrh. noch keltisch gesprochen.
Wie verbreitet die Sprache der Kelten war, geht aus der Mittheilung
des h. Hieronymus hervor, welcher sagt, die Sprache der Galater
in Kleinasien und die der belgischen Trevirer sei dieselbe gewesen.
Die gallischen Trevirer und Nervier prahlten nach Tacitus mit ihrer
germanischen Abstammung, um nicht zu den unkriegerischen Celten
gerechnet zu werden. Weder ein germanisches noch ein keltisches
Sprachdenkmal ist aus der Römerzeit erhalten geblieben, desshalb
half man sich mit den Sprachresten in Irland, Schottland, Wales
und der Bretagne. Dort hat die neuere Sprachforschung in römi-
schen Inschriften keltische und germanische Namen entdeckt1). Die
Namen der Mütter sind am Niederrhein vorwiegend germanisch,
nicht keltisch und Beda (672—735) berichtet uns, dass an dem Tage
unseres Weihnachtsfestes bei den Angeln die Nacht der Mütter ge-
feiert wurde. Zu seiner Zeit wurde Gottesverehrung auf der Insel
Britannien in 5 Sprachen ausgeübt, in der der Angeln, der Britten,
der Schotten, der Picten und der Lateiner2). Zeuss3) hält die
Galater und Gallier für gleichbedeutend mit den Celten, die galli-
schen Eigennamen, die er für celtisch hält, sind aber deutsch. Die
heutige Körperbeschaffenheit der Schotten beweist, dass die Caledo-
nier, wie schon Tacitus behauptet, Germanen waren. Die dunkeln
Volkselemente Britanniens sind, wie derselbe Tacitus schon ver-
muthete, südliche, aus Spanien eingewanderte Kelten oder Iberer.

Ueber die Beziehungen des Keltischen zum Deutschen schreibt
mir Prof. Abel: Das Keltische ist unzweifelhaft indogermanisch und
hat die grosse Mehrheit seiner Wurzeln und Stämme mit den andern
indogermanischen Sprachen gemeinsam. Alles Deutsche ist ursprüng-
lich niederdeutsch, da die zweite germanische Lautverschiebung,

1) Dr. R. Much, Germanische Matronennamen, Zeitschr. für deut-
sches Alterthum, 35. B. Berlin 1891, S. 315.

2) J. C. Prichard, Naturg. des Menschengeschlechtes, Leipz. III
1842 S. 183.

3) Grammatica celtica, Lips. 1852.
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