Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 106
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alterthumsfreunden1891/0116
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
106

H. Scha äff hausen: Die Kelten.

Auch sind zahlreiche Lehnworte aus dein Germanischen in vorge-
schichtlicher Zeit in das Finnische hinübergewandert, die den da-
maligen Zustand unserer Sprache abspiegeln. Vor 400 v. Chr.,
der Zeit der ersten germanischen Lautverschiebung, mag sich ein
Germane noch mit einem Kelten verständigt haben. Das Keltische
steht zu keiner andern Sprache in so engen und alten Beziehungen
als zur italischen. Es liegt darum die Annahme nahe, dass die
italischen Stämme einmal in Deutschland mit den Kelten gemeinsam
ein einheitliches Volk bildeten und erst nach Einwanderung in Ita-
lien sich weiter entwickelten. Auch dem Germanischen stellt übri-
gens das Lateinische nicht allzufern und jedenfalls weit näher
als dem Griechischen. Da Kelten und Germanen Nachbarvölker
blieben, während die Italer aus ihrer Umgebung austraten, ist es
begreiflich, dass jene beiden in Sitte und Lebensweise einander
glichen ; auch in ihrer religiösen Entwicklung stimmen sie in auf-
fälligster Weise überein und weichen gemeinsam von dem herge-
brachten Indogermanischen ab. Auch in der Namengebung stehen
die Kelten den Germanen weitaus am nächsten, während die Italer
darin ganz neue Wege einschlagen.

A. Ba cm eist er 4) hat einen grossen Wortschatz der deutschen
Sprache mit den Sanscritwurzeln, mit den keltischen Formen im
Irischen, Armorischen, Kornischen, und mit den griechischen, römi-
schen, althochdeutschen, altnordischen, gothischen, slavischen u. a.
in Vergleich gebracht und auf die Lautverschiebung hingewiesen.
Ich schliesse diese Abhandlung mit den Worten, mit welchen seine
Briefe beginnen: Allerwärts liegt tiefer Schnee auf der Erde und
deckt sie mit einein dichten Schleier:, selbst der Sommer wird ihn
nicht überall wegziehen, manche Schlucht, manchen Bergesgipfel
lässt die Mutter Natur ewig zugedeckt. Und wie viel mehr haben
nicht Zeit und Vergessenheit dem Auge des Menschen auf immer
entzogen! Manche schöne, stolze Sprache hat gelebt, sie ist ver-
schollen, vergessen, begraben, die eine ganz, die andere, wie das
Keltische, bis auf einen kleinen Rest verschiedenartige]1, oft kaum
zu deutender Trümmer.

1) Keltische Briefe, herausgegeben von O.Keller, Strassburg 1874.
loading ...