Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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von V e i t h:

daneben nördlich das kleinere Hemstege, und einige Wallreste bei
Schermbeck. Drusus ging hier über die Lippe, auf deren linkem
Thalrande sehr alte Wallreste aut den Tester Bergen über Buchold,
dann im Lippethal bei Gartrop und Gahlen bis zu dem jetzt kaum
noch erkennbaren Caesarlager unterhalb Dorsten liegen. Die Doppel-
hügel bei Gartrop beschreibt und zeichnet Hölzermann in seinen
Lokalforschungen an der Lippe S. 88 Tafel XXI als die von der
Trajanssäule her bekannten römischen Doppelhügel, das Caesarlager
unterhalb Dorsten erwähnt General von Müffling in seinen Römer-
strassen S. 23. Offenbar dienten diese römischen Befestigungswerke
einem gesicherten Lippe-Uebergange und bei etwaigem Rückzüge
den dortigen Tenkterern gegenüber, sie sind taktisch und fortifika-
torisch mit bewundernswerthem Geschick angelegt, wenn man von
der später veränderten Fernwirkung der Waffen absieht. Das kleine,
seit Caesars germanischen Kriegen berühmte Reitervolk der Tenkterer
wohnte in der unteren Ruhr-Niederung und in den Bruchgegenden
der Enischer. Drusus überraschte dasselbe durch einen schnellen
Vormarsch, so dass es sich unterwarf und Frieden schloss x). Nur
dadurch waren die rückwärtigen Verbindungen der Römer, bei deren
weiterem Vordringen gegen Osten, gesichert. Die kleinen aber aus-
gezeichneten Emscherbrücher Pferde waren den Siegern gewiss wenig-
stens für den Ankauf oder zur Mitnahme nebst Reitern höchst will-
kommen 2).

2. Von Dorsten über Castrop, Dortmund, Soest, Pader-
born nach Driburg, 22 Meilen, e. 10 Märsche.

Nach wenigen Tagen konnte Drusus auf Dorsten marschiren
und kam hier in das Gebiet der kriegslustigen Sugambrer, die zwi-
schen der Lippe und Ruhr, nach Osten hin bis Geseke bei Pader-
born wrohnten, wo sie an die Cherusker grenzten.

Von Dorsten fand Drusus bei seinem Vormarsch eine uralte

1) Livius Epitome 138 und Florus II. 30.

2) Noch heutzutage finden sieh in jener Gegend Exemplare dieser
Pierderasse. Solch Emscherbrücher Pferd erhielt ich als junger Offizier
der reitenden Artillerie im Jahre 1840 in Düsseldorf als Chargenpferd ge-
stellt, einen Rothschimmel von merkwürdiger Schnelligkeit, Ausdauer und
Gewandtheit unter dem Reiter, sonst scheinbar träge und schläfrig, aber
stets gehorsam und findig in jedem Terrain, selbst in dunkler Nacht.
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