Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 110
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von Veith:

mund aus der mit dem Hellweg parallel laufende Haarweg, auf dem
hohen rechten Thalrande der Ruhr, gewiss seine Benutzung Seitens
der Römer fand, um dadurch wenigstens einigermassen die Ver-
pflegung der Truppen durch die Bewohner zu erleichtern.

Authentisches über die Richtigkeit des hier gegebenen Vor-
marsches der Römer von Dorsten über Castrop, Dortmund nach Pa-
derborn giebt uns kein klassischer Schriftsteller. Selbst die Orts-
namen jener Gegend stammen frühestens aus der Zeit Karls des
Grossen, wie beispielsweise die villa regia Tortmanni, Dortmund,
Suosat, Patresbrunnum, während Castrop wohl zweifellos von Ca-
strum herkommt. Wallreste 'davon sind allerdings hier nicht mehr
vorhanden, aber römische Waffen und Münzen, die dort gefunden
worden sind, deuten auf jene Etappen des Drusus hin r).

Eine halbe Meile nördlich von Paderborn liegt Neuhaus am
Zusammenfluss der Lippe mit der alten Almana, die aus dem Al-
moncagau kömmt. Oestlich von Paderborn liegen die aufsteigenden
Waldberge des Egge-Gebirges, ein Theil des Hercynischen Waldes,
wo die Cherusker wohnten, deren Gebiet südlich von Paderborn bis
über die Diemel reichte, wo einst die Eresburg (Marsberg, Ober-Stadt-
berge) lag, von Karl dem Grossen und vor ihm vom Cheruskerfürst
Segestes bewohnt mit der altgermanischen Thusnelda, der Gattin
unseres Arminius. Dort zieht der Baceniswald Caesars, das Roth-
haargebirge, aus den Siegener Wäldern zum Asten oder Asenberge
hin, dieser „mauerartige Wall" Caesars mit seinem Rennwege, der
am Wittgensteiner Rundwall bei Laasphe die heiligen Steine, die
Hufeisensteine, Cromlechs, Altarsteine etc. trägt, jener Mauerwall,
der die Cherusker von den stets kriegslustigen Sueben und Chatten
trennte.

Von Paderborn marschirte Drusus über die waldige Egge nach
dem heutigen Driburg^ welches am Fuss dieses Bergzuges liegt. Auf
der Höhe desselben stand damals noch nicht die ohne Zweifel alt-
sächsische Iburg, die Karl der Grosse eroberte und deren Irminsul
er als ein Götzenbild zerstörte. Von dort sahen die Römer das Ziel
ihres Feldzuges „das alte Cheruskerland", umkränzt vom weiten
Bogen der Weser und deren Nebenfluss, der Diemel. Drusus hatte
nun etwa drei Monate Zeit, das schöne Bergland mit seinen Be-
wohnern kennen zu lernen. Aufgabe des Feldherrn war es jetzt,

1) General von Müffling, Römerstrassen Seite 10 u. 27.
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