Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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von Veith:

Strasse verdienen eine gründliche Untersuchung ; beide wurden viel-
leicht von einem zurückgelassenen römischen Detachement angelegt,
welches Monate lang dort stationirt, Verbindung mit der Armee und
mit dem Rhein wohl durch Tenkterische Reiter unterhielt. Von Be-
deutung bleibt hierbei die Frage nach der Möglichkeit, ob durch
Wagen-Transporte, also mittelst Nachfuhr auf den Hellwegen, die
Verbindung der Armee mit Dorsten und Vetera über Driburg auf-
recht erhalten werden konnte, worauf jene Steinstrasse und deren
Maulthier-Hufeisen hinzuweisen scheinen. Für das wichtige Horn
liegt der analoge Fall vor, durch die hier im Römerlager des Varus
so zahlreich unter der jetzigen Strasse gefundenen Hufeisen.

II. Drusus im Cheruskerlande an der Weser.

1. Von Driburg bis Brunisberg, 3 Meilen.

Drusus marschirte von Driburg durch den fruchtbaren Nethe-
gau, die Kornkammer des Cheruskerlandes, über das alte Brakel
zum Brunisberg, der auf dem 250 m hohen Thalrande der Weser
liegt. Denselben Weg nahm Karl der Grosse im Jahre 772, als er
von der Eresburg über die Iburg zur Sachsenveste Brunisberg zog,
die er vergeblich belagerte, die Sachsen aber dort im Thal der We-
ser schlug, wo noch jetzt ausgegrabene Urnen das Schlachtfeld be-
zeichnen. Jenen Weg von Sosat (Soest) über Driburg und die villa
Brechal nahmen im Jahre 836 die Benedictiner Mönche, welche von
Paris her die Reliquien des heiligen Vitus nach der Abtei Corvei
beim heutigen Höxter brachten*), deren Kloster 822 von König Lud-
wig dem Frommen gegründet worden war. Vielleicht brachten jene
Mönche von Paris auch die wichtigen Annalen des Tacitus mit, die
lange im Kloster geschlummert haben. Der Sachsenherzog Bruno,
ein Bruder des Abtes, verstärkte den Brunisberg 2), der namentlich
in der südöstlichen, zerstörten Vorburg deutliche Reste einer weit
früheren und älteren Befestigung, höchst wahrscheinlich aus der
Römerzeit zeigt, so dass hier wohl ein praesidium einer Drusus-Be-
festigung wie bei Vlotho anzunehmen ist3).

1) 28. Band der Westfälischen Zeitschrift.

2) Pertz, Monumenta Germaniae historica. Hannover 1826.

3) Florus IV „praesidia et custodia per Visurghn".
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