Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 113
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Arbalo und Aliso.

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Die Höhen des Brunisberges boten den Römern die günstigste
Lagerstellung, aus welcher nach allen Richtungen hin entsendete
Truppentheile Gelegenheit zur Erforschung des Landes und zum
Herbeischaffen von Lebensbedürfnissen fanden, zur Diemel hin auf
Heristall, an diesem Fluss aufwärts zum Egge-Gebirge, endlich zum
wichtigen Emmer-Thal, wo Karl der Grosse im Winter des Jahres
784 längere Zeit in Lindihi, dem heutigen Lügde sich aufhielt.
Eine halbe Meile westlich von Lügde liegt die Herlings- oder Skidro-
burg bei Schieder, in sächsischer Art später befestigt; hierhin ver-
legt man den älteren BurgwTall des Arminius (Hölzermann Tafel
XXXV).

Vermied Drusus vielleicht absichtlich die Gegend der cherus-
kischen Heiligthümer, wto Varus später im heutigen Horn sein Haupt-
quartier nahm"? Diese Stadt zeigt heute noch die römische Lager-
form eines in den Ecken abgerundeten Vierecks von 400 und 500 m
Seitenlänge, im Mittelalter in diesem Umfang befestigt. Das Lager
hatte danach 20 ha Fläche, das Mass für jene drei Legionen; es
wird der Länge nach vom alten Heerwege durchschnitten, in welchem
bei Ausgrabungen zahlreiche Maulthierhufeisen gefunden worden sind.
Die jetzige Stadt liegt 1 km östlich von den berühmten heiligen Exter-
steinen, deren Durchblicke in richtig astronomischer Orientirung auf
die Cromlechs der alten Ding- und Lagerstätten auf den Höhen zwi-
schen Leistrup und Meinberg, 3 km nordöstlich von Horn, hinweisen 1),
von denen leider viele Steine für den Chausseebau allmälig verschwan-
den. Sehr friedlich kann der Verkehr dort damals wohl nicht gewesen
sein, als 20 000 Römer sich für die ganze Sommerfrische bei den
Cheruskern einquartierten, und diese ihre Freunde zur Hülfe riefen.
Tacitus sagt in der Germania 36 vielleicht in Bezug darauf, früher
wären die Cherusker gut und ehrlich genannt worden, hätten sich
aber später thöricht und falsch gezeigt, das heisst wohl, dass sie
hart misshandelt zu den Waffen griffen.

2. Vom Brunisberg bis Castrum Osen, 6 Meilen.

Nach längerem Verweilen im Lager am Brunisberg marschirte
Drusus zur Emmer-(Ambra)Mündung und lagerte nach mehrfachen

1) Oberst Scheppe in Boppard hat treffliche Aufnahmen über diese
Gegend gezeichnet.

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