Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 117
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ArbaJo und Aliso.

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Ein alter, 3 bis 4 m breiter, sehr zweckmässig- geführter Weg
geht vom Schanzberg nach Rehme. Auf halbem Wege dorthin, ge-
rade 2 römische Millien ä 1480 m vom Schanzberg liegt bei Babben-
hausen ein Lagerplatz, theilweise von Rändern, einst vielleicht von
Wällen umschlossen, c. 10 ha gross, in militärisch günstiger Lage
auf einer Höhe. 2 Millien weiter liegt im Mündungswinkel der
Werna und Weser bei Rehme ein kleinerer Platz von c. 5 h mit
Spuren von Wallresten. Dieser Punkt ist durch einen direkten ähn-
lichen Weg wie der eben erwähnte mit Gastrup verbunden. Auch
über die Ebenöd geht ein Weg zwischen diesen parallelen Wegen
vom Schanzberg zum Amtshause, von diesem über die Line zur We-
ser, der sogenannte Kriegerweg, der dann von der Weser nach Haus-
berge führt, so dass ein gewisses System in diesen Wegen und ehe-
maligen Befestigungsanlagen zu liegen scheint, worauf wir später
zurückkommen. Ein wichtiger Punkt ist hierbei das kastellartigc
Amtshaus auf dem steilen Thalrande des Linebach, bei dessen Mün-
dung in die Weser, 100 m über deren Wasserspiegel. Der mittel-
alterliche Steinbau des Amtshauses gehört dem 12. Jahrhundert an.
Diese Steiuruine bildet eine plateauartige halbkreisförmige Umfassung
von 50 m Radius mit 4 bis 6 m hoher, 2 bis 3 m starker Mauer,
durch Strebepfeiler gestützt.

Urkundlich kaufte der Erzbischof Philipp von Cöln im 12. Jahr-
hundert die Burg Vlotho für 600 Mark von ihrem Besitzer, dem Herrn
von Flotuwe. Die Burg kam nach mehrfachem Wechsel der Besitzer
an die Herzöge von Jülich und durch diese im Jahre 1615 an unsre
HohenzolleiTi. Der kriegerische Bischof von Münster, Bernhard von
Galen beschoss vom Schanzberg her im Jahre 1673 die Burg ver-
geblich. König Friedrich Wilhelm IV. besuchte die Burg als „Herr
von Vlotho" und war über deren schöne Lage, der porta gegenüber,
hoch erfreut.

Auf das hohe Alter der Erdburg, vor dem Mauerbau derselben,
deutet die urkundliche Bezeichnung derselben als „Mantclstatte", in-
sofern dieser Mauerbau von Ueberresten einer Erdbefestigimg mit
Wällen und Gräben umschlossen war, die mit abgerundeten Ecken
200 m lang und wenigstens 150 m breit waren, also grösser als die
400 Schritt entfernte custodia auf dem Schanzberge. Aus ältester
Zeit stammt auch ein gemauerter Brunnen in der Burg, der 30 m
tief ausgegraben wurde. Derselbe war gewiss wenigstens drei Mal
so tief, doch musste man die gefährliche Arbeit aufgeben, so wich-
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