Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 123
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Arbalo und Aliso.

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Nach den Monumenta Paderbornensia von 1714 S. 236 erbaute
ferner der Fürstbischof von Paderborn Theodor im Jahre 1590 in
Neuhaus eine Burg (arx) am Zusammenfluss der Lippe und Pader.
Diese Burg- wurde 1646 von Wrangel erobert und hatte Mauern mit
Wassergräben und Thürmen. Der Fürstbischof schreibt, dass „haud
dubie" hier das Drususcastell Aliso einst gestanden habe, und so
galten die Fundamente der jetzigen Husarenkaserne in Neuhaus seit
Jahrhunderten als Aliso.

Bestärkt wurde diese Ansicht durch einen hochstehenden Mi-
litär, den bereits mehrfach genannten General von Müffling, der
in seinem Buch über die Römerstrassen S. 17 bei der Frage: „Wo lag
das Castell Aliso" sich für Neuhaus entscheidet. Ich folgte bisher
dieser Ansieht, fand aber so viele militärgeographische Widersprüche
gegen diese Ortslage, so viele Zweifel durch die historischen Data
der klassischen Schriftsteller, dass die Konsequenzen meines Aufsatzes
im 84. Heft der Bonner Jahrbücher über den Römischen Grenzwall
des Tiberius, mich in diesem Grenzwall auf Aliso führten.

Schon im Lauf der letzten Jahrzehnte rückte Aliso von Neu-
haus her immer näher an den Rhein. Hauptmann IIölzermann
verlegte Aliso von Neuhaus nach Ringboke, Professor Schneider
weiter an die Glenne bei Schulte Nomke, ein Geistlicher an die
Alvke bei Lippborg, Essellen, Knoke etc., auch Dr. Asbach nach
Hamm1), Dr. Hülsenbeck in seinen gründlichen historischen und
sehr interessanten Ortsstudien über Aliso nach dem Heikenberg bei
Alstedde 2). Die Ptolemäische Ortsbestimmung Aloisens gibt er mit
28° Länge und 51° SO' Breite, die von Vetera mit 27u30/ Länge
und 51°307 Breite resp. 51°35' nach General von Müffling. Da-
nach hätte Aliso in fast gleicher Breite mit Vetera 30', das sind
7 deutsche Meilen östlich von Vetera gelegen, eine Entfernung,
welche Ptolemäus wohl auf den entsprechenden Wegen maass und
wobei ihm die römische Lippestrasse zu Hülfe kam, während solche
annähernde Richtigkeit keineswegs überall wie hier an der Stever-
Münduug vorliegt, die Reductionen der Originalangaben ausserdem
auch sehr verschieden sind.

In meiner Beschreibung des „Römischen Grenzwalls an der Lippe"3)

1) Bonner Jahrb. LXXX S. 21.

2) Dr. Hülsenb e ek : „Das römische Kastell Aliso". Paderborn 1873.

3) Bonner Jahrb. LXXXIV von 1887.
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