Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

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Arbalo und Aliso.

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welche die Steingruppe gleich einem muldenförmigen Lagerplatz von
c. 500 m Breite, 1000 m Länge umgeben, auf den kürzeren Seiten mehr
geöffnet oder zerstört. Die dortigen Wallreste haben sich auf dem
alten Haidelande gut erhalten, doch ist die Baldige Verwendung der
hübschen Steine zu Strassenbauten zu befürchten. Jener Circus ist
breiter, aber eben so lang wie der bekannte Circusrest von Bovillae
an der Yin Appia, der S1^ Stadien ä 600' lang war. Statt der
Mauerbreiten veränderten jene Wälle die Breite der Anlage. Das
giebt den Eindruck einer Rennbahn, eines Circns, wo wahrschein-
lich Tiberius im Jahre 11 n. Chr. den Geburtstag des Kaisers
durch Pferderennen feierte. Danach hätte hier im Jahre 16 Ger~
manicus mit 6 Legionen seine Festspiele (ludi circenses) gehalten.
Dann wird aber auch jener Düvelsteen in der Nähe der Vilia- oder
Julia-Quellen J) der wiederholt von den Germanen „auseinander ge-
worfene" Altar des Drusus sein und ein neues Aliso wäre 2 Meilen
davon, da wo die Stever in die Lippe mündet, gefunden, während
der zerstörte Tumulus 15 bis 20 Meilen weit entfernt, nahe am saltus
Teutoburgensis liegt und im Jahre 16 n. Chr. bei Borken natürlich
nicht zu sehen war.

Am Düvelsteen sagten mir die dort ansässigen Bauern, dass
schon vor 50 Jahren die alten Wälle bei Anlage der Kolonien
Nottelmann und Könen im bisherigen Haideland mit viel Arbeit ab-
getragen und eingeebnet worden wären. Aelmliches geschah schon
früher nördlich bei Hellermann in der Gegend der Yelener Quellen, wo
das Haideland immer schneller jetzt verschwindet. Bei Kolon Nottel-
mann ist das südöstliche Ende der Wälle, dem Düvelsteen gegen-
über, kaum noch erkennbar. Will man jene historisch so interes-
santen Wallanlagen retten, so wäre eine sorgfältige Aufnahme drin-
gend geboten. Die Generalstabskarte genügt für einen Ueberblick,
aber für Beurtheilung der Bauten vor zwei Jahrtausenden reicht sie
auch in ihrer Originalaufnahme nicht aus.

Wenn Tacitus schreibt, dass die Römer alle Wege zwischen
Aliso und dem Rhein mit neuen Wällen und Dämmen befestigten,
resp. die alten erneuten, so war diese Arbeit von Haltern zum Rhein
wenigstens eher ausführbar, als dies von Neuhaus-Aliso so schnell

1).In einer Ausgabe des Vellejus II 105 soll stehen: „ad caput In-
liae fluminis", was Lipsius in „Lupiae" geändert hätte (Dr. Hülsenbeck's
Aliso S. 169).
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