Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 134
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/alterthumsfreunden1891/0144
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
134

Josef Klein:

(C. I. L. VII n. 1336, 201) vor, welche in Britannien gefunden sind;
vielleicht auch auf einer Inschriftx) von Caralis auf Sardinien, wo
er nicht voll ausgeschrieben ist.

Z. 3 enthält einen dritten Namen Secundum. Es sind also
drei Rivalen, Surus, Caenus und Secundus, welche verwünscht
werden. Wie die Akkusative zu construiren sind, bleibt unklar —
ein darauf bezügliches Verbum fehlt —, ebenso ob die in der ersten
Zeile genannte Silonia die Verwünschende ist, da nicht ausgeschlossen
ist, dass der Schreiber 8ilonia[m] hat schreiben wollen, wie er
Z. 2 Caenu statt Gaenu[m] geschrieben hat.

Z. 4 sind die Worte ILLE TE zu lesen. Grosse Schwierigkeiten
bereiten die Lesung und das Verständniss der beiden letzten Zeilen.

Z. 5. Das erste Zeichen, welches oben deutlich einen kleinen
abwärts gerichteten Strich zeigt, ist wegen der Aehnlichkeit mit
dem drittletzten Buchstaben dieser Zeile eher P als I. Der vierte
Buchstabe ist ein aus I corrigirtes S. Wir erhalten so das Wort
ponsus, welches Buedreier für [s]ponsus nimmt mit Weglassung
des s. impurum, nach der Analogie von vicotrobiU für vicostrobüi
in der Appendix Probi (Gramm, lat. ed. Keil t. IV p. 198, 25) und
anderer ähnlicher Vulgarismen. — Der Schluss der Zeile lautet PRO.

Z. 6. Zu Anfang stehen CA, dann folgen die Buchstaben E,
welcher, wie überhaupt auf dieser Tafel, durch zwei senkrechte
Striche bezeichnet ist, und VM, also eum. Der hart an den Rand
gerückte und zum Theil auf demselben eingetragene Rest der Zeile
beginnt mit A, welches mit dem folgenden M zu einem Zuge ver-
bunden ist; alsdann folgt auf dem Rande noch ziemlich deutlich in
seinem oberen Theile erkennbar ein nicht ganz gelungener Buchstabe,
welcher ebenso gut für ein A, wie für ein eckig gebildetes 0 gelten
kann, dessen untere Rundung durch Abspringen des Schreibinstru-
mentes missglückt ist. Das Letztere dünkt mir das Wahrschein-
lichere. Demgemäss wäre wohl der letzte Absatz zu lesen: ille te
sponsus proca[t], eum amo, wofern im Anfang der fünften Zeile
durch sponsus das Richtige gefunden ist.

1) C. I. L. X, 7831: D. m. Faustilla vixü ann. LX Licinius Caen.
serv. coniugi b. m. f. Oh hierhin auch der C. Geminius Camus einer bloss
durch die Ahschrift von de Caussade bekannt gewordenen Inschrift von
Auzia in Mauretania Caesariensis (C I. L. VIII, 9074) zu ziehen ist, ist bei
der Unsicherheit der Lesung nicht zu entscheiden.
loading ...