Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 137
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Drei römische Bleitäfelchen.

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Auf dem linken Rande vom Beschauer die nachstehende Zeile:
SIC TU MORBO ADICANT Dil M.....

Auf dem rechten Rande sind ebenfalls flach eingeritzte Schriftzüge
sichtbar, von denen ich glaube, dass die beiden letzten Worte vor
dem Bruch als Dil INFIIRI zu deuten sind.

Indem wir zur Betrachtung- des Einzelnen übergehen, ist zu-
nächst zu bemerken, dass der Ergänzung der Lücken in der Mitte
der Tafel der Umstand zu statten kommt, dass die vollständig er-
haltene erste Zeile einen Massstab für die Beurtheilung des Fehlen-
den bietet.

Z. 2. Der achte, am Fusse unvollständige Buchstabe war A;
der folgende durch die Lücke absorbirte Buchstabe, von dessen
zweiter Hälfte der untere Theil einer Hasta noch vorhanden ist,
kann nach Massgabe des Raumes nur N gewesen sein, so dass das
Wort Caranita[n]i zu ergänzen sein wird. Wir gewinnen damit
das übrigens bis jetzt sonst nicht nachgewiesene Cognomen des
Mannes, dessen Feinde hier genannt werden. — Bei dem darauf fol-
genden Worte besteht, da B und D in dieser Schriftgattung sich
sehr ähneln, die Möglichkeit einer doppelten Lesung, entweder Adi-
lius, woran Buecheler gedacht hat, oder Äbilius. Das Gentilicium
Adilius ist meines Wissens bis jetzt nicht nachgewiesen, wohl aber
Äbilius. Vgl. C. I. L. VI 10452. Das Letztere möchte daher wohl
vorzuziehen sein.

Z. 3 sind von dem zweiten Worte die beiden ersten Zeichen
AP erhalten, dann nach einer Lücke, in welcher ein Buchstabe
verloren gegangen ist, ARI, ferner die untere Hälfte der Hasta sowie
ein kleiner Rest des Querbalkens des T- darauf folgt ein verquetsch-
tes 0, dessen vordere Rundung durch den Bruch des Metalls zer-
stört ist, sowie R. Also wohl ap[p]aritor. Wir erhalten auf diese
Weise eine nähere Charakteristik des im Anfang der Zeile genann-
ten Sabinus durch Nennung seines Berufes. ■— Grosse Schwierig-
keiten bereiten die zwei Worte, welche zwischen diesem Worte und
dem Schlüsse der Zeile, der Optatus gelesen werden muss, stehen.
Für das erste Wort besteht die Möglichkeit einer doppelten Lesung,
entweder Arri oder Arria, je nachdem man sich für die Zugehörigkeit
des zweiten A zum ersten oder zweiten Worte entscheidet. Dessen
Lesung ist gleichfalls ziemlich unsicher; denn seine einzelnen Buch-
staben sind durch verschiedene Gorrekturen entstellt. Gleich bei
dem ersten Buchstaben entsteht der Zweifel, ob er ein aus D cor-
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