Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande: am 1. October 1891 — Bonn, 1891

Seite: 138
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Josef Klein:

rigirtes G oder umgekehrt ist. Ein gleiches Räthsel gibt uns das
zweite Zeichen auf. Es scheint ursprünglich M oder vielmehr AR
gewesen zu sein, aus welchem der Schreiber, als er sein Versehen
bemerkte, AD oder, wenn man AR zu Grunde legt und den Grund-
strich bei der Correktur noch zu Recht bestehen lassen darf, ARD
gemacht hat. Die drei letzten Buchstaben des Wortes ISA sind
sicher. Daraus ergibt sich ein Name wie DARDISA. Diesen kenne
ich jedoch bloss als Mannesnamen und zwar eines unter den Prae-
torianern dienenden Soldaten (Ephem. epigr. IV p. 330 n. 8965. I 35),
während offenbar hier eine Frau gemeint ist. Noch weniger kom-
men wir zum Ziele, wenn wir das zweite A des ersten Wortes Ar-
ria zu Hülfe nehmen, im Gegentheil, es entstehen nun neue Beden-
ken. Denn jetzt muss der Genetiv Arri wegen seiner Stellung zu
dem vorhergehenden Worte apparitor gezogen werden. Anderer-
seits ist dann das allein stehende Cognomen, abgesehen davon, dass
keine ordentliche Wortbildung entsteht, sehr auffallend, weil alle
auf unserem Täfelchen durch einen einfachen Namen bezeichnete
Personen, Männer sowohl als Frauen, durch die Angabe ihrer Fa-
milienzugehörigkeit oder ihres Berufes näher charakterisirt werden.
Diese Bedenken werden aber einfach aus dem Wege geräumt, wenn
wir Arria lesen, so dass die Betreffende zwei Namen, einen Gen-
tilnamen und einen Zunamen, geführt hat. Sie hat dann in gleichem
Range, wie der Z. 2 genannte Abilius Juvenis gestanden und das
römische Bürgerrecht besessen.

Z. 4. Der liier unter den Feinden aufgeführte Optatus Silonis
kehrt auch auf dem ersten Wormser Defixionstäfelchen Z. 2 wieder.
Wenngleich es misslich ist, auf die Uebereinstimmung so häufig vor-
kommender Namen, wie Optatus und Silo sind, eine Identificirung
der beiden Personen zu gründen, so halte ich doch diese Annahme
hier für sicher, weil sie sowohl durch die gleiche Verbindung beider
Namen als auch durch die Gemeinsamkeit des Fundortes beider
Täfelchen eine gewichtige Stütze empfängt und weil auch andere
Namen, wie sich im Verlaufe der Untersuchung zeigen wird, auf
beiden Schriftstücken sich wiederholen. — Der erste Buchstabe des
zweiten Wortes, welcher nur schlecht erkennbar ist, ist P, von S
am Ende des Wortes findet sich am Rande der Bruchstelle noch
eine schwache Spur. Der Name ist also Privatus. -— Nun folgt
eine Lücke von etwa zwei Buchstaben, dann VIIRI, was vielleicht
[S\everi zu ergänzen ist. — Den Schluss der Zeile bilden die Namen
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